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Bestattungsriten in Taphanac Bearbeiten

(Yawannyelea Maltansia, Jasatyr von Taphanac und Vorsteherin des Tempels zu Taphan)

Zunächst muß man wissen, daß fast alle Taphanacleiri den Tod als natürlichen Bestandteil des Lebenskreislaufs akzeptieren. Das liegt nicht nur an der Verehrung Yawannyes als Göttin der ewigen Erneuerung, sondern vor allem auch daran, daß das Leben im und mit dem Wald jedem Bewohner des Landes diese Rolle des Todes permanent vor Augen fuhrt. Bäume wachsen und fallen; Pflanzen blühen und welken; Tiere leben, sterben und töten, fressen und werden gefressen. Der Gedanke, daß der Mensch oder andere Rassen diesem Kreislauf entfliehen oder ihn auch nur über die Maßen strecken könnte, erscheint uns als anmaßend.
Diese Einsicht bewahrt natürlich niemanden vor Trauer angesichts des Todes eines geliebten Mitmenschen, daher ist das Trauern auch fester Bestandteil jeder Bestattung. Wenn ein Taphanaclei oder eine Taphanaclea ‘den letzten Weg geht’ (so eine verbreitete Umschreibungen für das Sterben), versammeln sich am Morgen des folgenden Tages die Angehörigen und Freunde des oder der Toten. Dies geschieht in aller Regel auf einer Lichtung des nächsten Waldes, was auf den Glauben zurückgeht, daß der ‘letzte Weg’ ein Waldpfad ist, an dessen Ende ein Einhorn auf einer Waldlichtung darauf wartet, den Toten in Yawannyes ewiges Tal zu tragen.

Die Trauernden lassen sich im Kreis um die Leiche des Verstorbenen nieder, die auf eine aus Weidenzweigen geflochtene Bahre gebettet ist, und tauschen ihre Eindrücke über sein Leben und Wesen aus. Der Weidenbahre kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Unserem Glauben zufolge ist der Eingang in das ewige Tal eine Weidenallee, die der Tote abschreiten muß, während ihm die Zweige der Weiden zuraunen, was seine Hinterbliebenen über ihn zu sagen haben. Auf diese Weise erhält er Gelegenheit, sich über mögliche Verfehlungen klarzuwerden, ehe er Yawannye gegenübertreten muß. Aus diesem Grund würde falsche Höflichkeit bei dem Erinnerungsaustausch auch als fehl am Platze angesehen, und nicht selten sind bei diesen Versammlungen deutliche Worte über den Toten zu vernehmen. Dieser Brauch mag von Fremden als pietätlos wahrgenommen werden, für uns jedoch ist er von enormer Wichtigkeit. Was den Toten nämlich im ewigen Tal erwartet, hängt vor allem davon ab, wie ehrlich er sein Leben in Yawannyes Angesicht wiedergibt. Ist er bereit anzuerkennen, wem er in seinem Leben Schaden zugefiigt hat; hat er - zumindest aus seiner eigenen Sicht - einen Grund oder eine Erklärung dafür oder ist bereit, sie als Fehler einzugestehen, so kann er auf Yawannyes Verständnis oder Verzeihung und Geleit in das Zentrum des ewigen Tales zählen. Fehlt ihm diese Einsicht, so wird er am Rande des Tales abgesetzt und muß seinen Weg in die Mitte erst mühsam selbst finden.

[Die Überlieferungen darüber, wie es in Yawannyes Tal aussieht, sind sehr vage - einige Lehrtexte sprechen vom ewigen Frühling und beständiger Blüte, andere verwerfen dies und sagen, es gebe dort sehr wohl alle Jahreszeiten (was ist ein Frühling wert, wenn ihm nicht ein Wintervorausgegangen ist?), nur eben keine Mühsal, keinen Schmerz und keinen Tod. Wieder andere Texte behaupten, daß auch im ewigen Tal Schmerz und Arbeit als notwendige Bestandteile des Lebens existieren, da man ohne sie Glück und Freude nicht zu schätzen wüßte.]

Wenn alle Versammelten ihre Erinnerungen und Eindrücke mit den anderen geteilt haben, löst sich die Versammlung bis auf die nächsten Angehörigen auf, welche den Rest des Tages beim Körper des Toten verbringen. Zu Sonnenuntergang erfolgt dann die eigentliche Bestattung unter der Leitung eines Druiden oder Priesters. In Taphanac existieren im Wesentlichen drei Bestattungsmethoden. Am weitesten verbreitet ist das Begräbnis. Der Körper des Toten wird mit einer Kräuterpaste bestrichen, die 41 Aasfresser vertreibt und gleichzeitig die durch die Verwesung entstehenden Gifte weitgehend neutralisiert, und dann auf der Weidenbahre in eine Grube im Wald gesenkt - zumeist in der Nähe eines besonders eindrücklichen Baumes, zu dem die Anghörigen zurückfinden können, um des Toten zu gedenken. Grabsteine oder ähnliche künstliche Markierungen sind in Taphanac nicht üblich. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten keine andere Bestattungsmethode angewiesen, wird in aller Regel diese Methode angewandt. Einige Taphanacleiri ziehen es vor, ihren Beitrag zum Kreislauf des Lebens nicht auf einen so kleinen Teil des Waldes zu beschränken, und veranlassen ihre ‘Verteilung’. Hierbei wird die Leiche von entsprechend Kundigen (auf Wunsch auch von den Angehörigen selbst) in möglichst viele kleine Stücke zerteilt und im Wald verteilt. Hierbei wird auf die Behandlung mit der Paste bestrichen, denn der Verzehr durch Aasfresser ist Teil des Verteilungsgedankens.

Trotz der zwiespältigen Rolle, die das Feuer unter den waldliebenden Bewohnern Taphanacs innehat, gibt es Taphanacleiri, die ihre Verbrennung anordnen, diese geschieht natürlich nicht im Wald, sondern auf dem Siedlungsplatz oder einer genügend großen Lichtung; zudem wird die Umgebung des Brandhaufens reichlich mit Wasser getränkt. Die Asche des Verstorbenen wird in den Wind gestreut, mögliche feste Überreste im Wald vergraben.

Schließlich gibt es unter den Küstenbewohnem - besonders in Perist-Ran - auch die Bestattung auf der See, die von den Fischern als Anerkenntnis der besonderen Rolle des Meeres zu ihrer Ernährung gesehen wird, dem man daher mehr schuldet, als dem Wald. Ich persönlich halte dies für einen Irrglauben, doch da unter den Fischergemeinden ohnehin vielfach der Glaube an Norytton den an Yawannye zurückdrängt, wären weitere Belehrungen in dieser Sache wohl fruchtlos. Letztendlich ist es auch vor allem wichtig, daß die Überreste

der Toten ihren Weg zurück in den Kreislauf des Lebens finden - in welcher Form auch immer.
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