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Dena und Mannanaun

“Hat Mannanaun die Göttin verführt oder hat Dena sich einen Liebhaber genommen?”

Von Glimmerstrak Fjordahl, Ulf- da- Dena Silurs

Da ich meine Gemeinde Silur in Sicherheit weiß und alle Angelegenheiten in der Heimat geregelt sind, habe ich eine Reise zum Priesterkonvent in Ramira unternommen, um dort den Denatempel meiner Heimat zu vertreten. Besonders beeindruckt hat mich ein Gespräch mit einem Mannanaupriester der Schwarzen Flotte, der von Mannanaun erzählte.

Mannanaun gehört zu den Göttern, die in Silur nicht als persönlicher Gott verehrt werden und auch im Pantheon bleibt er in den Lehren und Legenden der Silurer im Hintergrund. Also war ich begierig, mehr über ihn zu erfahren.

Mannanaun, so erfuhr ich, erhob sich gegen Chnum, dem er sich überlegen wähnte, er soll Dena als Geliebte genommen haben er und empörte sich, was als sein schlimmstes Vergehen gilt, gegen die “Göttliche Weltordnung”. Dieser Begriff muß erklärt werden. Besonders die Artanreligion ist überzeugt, daß vor allem eine gottgewollte Ordnung jedem Ding seinen Platz zuweist, um Frieden und Wohlstand zu gewähren. Mannanaun fand finstere Bundesgenossen und zog mit ihnen gegen die Chnumgetreuen. Diese siegten und verurteilten ihn zur Verbannung in die Wüste, wo er noch heute machtlos eingesperrt ist.

Kern der Geschichte ist die Bewertung Mannanauns, den wir, wie die anderen Götter auch, als Person sehen, zu dessen Bewertung uns die Geschichten um seine Person dienen müssen. Ich mache mir deshalb die Lehrmeinung des Tempels zu eigen, die Götter als menschenähnliche Wesen von großer Macht sieht. Konnte also Mannanaun Dena verführen?

Dena ist eine Göttin von überlegener Macht und sie ist gut. Mannanaun war selbst in den Tagen seiner Größe ihr unterlegen, ein reizvoller Geselle, aber leichtsinnig. Die Vorstellung, er könne Dena Offerten machen, auf die sie ernsthaft einginge, erscheint lachhaft. Leicht vorstellbar ist aber eine gelangweilte und vernachlässigte Gattin des Chnum, die sich Mannanaun zum Liebhaber nimmt. Wie wenig ihr an diesem Liebhaber lag kann man aus ihrer Entscheidung für Chnum ablesen. Ihre Affäre mit Mannanaun kann nicht mehr als ein amouröses Abenteuer gewesen sein.

Später stellt sich beim Betrachten der Ereignisse um Mannanaun die Frage, ob das Urteil der Götter von Menschen korrigiert werden darf. Denn dieses Ziel verfolgt die Schwarze Flotte: Den Verbannten aus der Wüste zu befreien. Im Sinne der Freiheit des Individuums muß ich dies bejahen. Das Individuum ist frei, zu tun, was anderen nicht schadet. Ein Schaden ist durch die Befreiung Mannanauns aber nicht zu erwarten.

Außerdem muß die silurische Einstellung zur den Göttern bedacht werden, die wir, wie oben ausgeführt, als menschenähnliche Wesen von großer Macht sehen. Ihr Urteil hat also keinen höheren Wert als das eines mundanen Richters. Doch ihre größere Macht mag die Befreiung unmöglich machen, ihr menschenähnliches Wesen, hier ihr Jähzorn und ihre Gewalttätigkeit könnte für die Befreier tödlich sein. Diese Gefahr aber nehmen sie mit sehenden Augen auf sich.

So empfehle ich, den Mannanaunkult in Silur neutral zu behandeln, ihn weder zu fördern noch zu hindern. Der chaotische Geist des Gottes entspricht in vielem der freiheitliche Gesinnung der Silurer. Eine finstere Einstellung kann ihm nicht nachgewiesen werden, wie viele Gespräche auf dem Religionskonvent zeigten. Ein Aufstand gegen eine göttliche Weltordnung mag dem Artankult arg zu schaffen machen. Wir Silurer aber wissen, daß Gesetze Menschenwerk sind, ohne einen Wert aus sich selber heraus. Sie sind wegen ihres Nutzens zu respektieren, weil sie uns ein friedliches Mit- und Nebeneinander ermöglichen, weil sie vernünftig sind. Mannanauns Anhängern kann man keine Rituale vorwerfen, die den zivilen Gesetzen Silurs widersprechen. Vor allem muß auch das Urteil Denas bedacht werden, die über dem Wohl Silurs seit Generationen wacht. Sie wird sich keinen schlechten Liebhaber auserwählt haben. Gegen das Reichsinteresse, die Schwarze Flotte zu empfangen, gibt es keine religiösen Einwände.

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