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Die Novizin Athlone hockt vor dem Tempel ihres Traumritterhauses, den Rücken an eine hölzerne Säule gelehnt. Die Säule ist eine von zwanzig, die das Dach der offenen Tempelhalle tragen. Ihr Traumritterhaus ist leer und ihr Tempel ebenfalls. Vor ihr endlos der Ozean und der Himmel über dem Kliff am Grünen Meer, hinter ihr ein leeres Traumritterhaus und dahinter die riesige Baustelle der Traumritterburg Iridistra. Leise nähern sich Schritte.


„Bleib im Tempel der Burg, Priester“, sagt Athlone müde: „Ich will nichts mehr von den Gnaden Chnums und den Forderungen Dondras hören. Ich habe heute fünf von euch niedergebrüllt, zwei aus dem Haus geworfen und einen nur durch glückliche Umstände nicht die Klippe heruntergestoßen.“

Jenz Drom, der Priester der Dena und des ganzen Pantheons, hat den Pfad erklommen, der über den steilen Hügel zwischen Iridistra und Grünem Meer zu diesem Außenposten der Traumritterburg führt. Unbeeindruckt lehnt er jetzt an der Nachbarsäule und blickt neben Athlone aufs Meer hinaus: „Du hast doch Dein Traumritterhaus bekommen, genau so, wie Du es beschrieben hast – warum bist Du immer noch unzufrieden?“

„Ich will die stärkste unter den Traumrittern sein“, antwortet Athlone. Fragend hebt Jenz Drom eine Augenbraue. Jetzt sprudelt es aus Athlone heraus: „Es ist wichtig. Ich war immer die stärkste. Meine Kraft macht mich aus. Ich war immer die stärkste, größte, rothaarigste. Ohne das bin ich nur noch eine unter vielen, eine Nummer im riesigen Heer von Sunrise. Das kann ich nicht ertragen.... Langsamer dann: „Es ist ein innerer Drang. So wie es dich vielleicht drängt, der Priester zu sein, der die Leute heilt und nicht der Helfer an der Tempelpforte, der die Almosen gibt oder der Schreiber, der die Geburten und Ehen notiert.“

Der Priester nickt: „Es gibt vielleicht eine Lösung. Körperkraft ist als Attribut allein dem Borgon zugeordnet und ich bin sicher, dass sie seine Gnade an seine Traumritter ist. Wenn du magst will ich einen geeigneten Priester des Gottes der Krieger finden, der dich initiieren kann. Allerdings möchte ich um eine Gegenleistung bitten. Ich weiß um einen Gefangenen, der seit Jahren ohne Urteil eingekerkert ist. Ich will ihn frei sehen.“

Ansatzlos springt Athlone in den Stand und wendet sich mit ausgestrecktem Arm, vor wiedergefundener Begeisterung strahlend Jenz Drom zu. „Schlag ein, so machen wir es.“ Lächelnd schlägt der Priester ein. „Und nun brauchen wir ein Bad“, bestimmt sie, hebt dem Priester die Kutte über den Kopf und reißt sich selbst die Kleider vom Leib. Ehe sich Jenz Drom wehren kann hat sie ihn schon mit einem Arm um die Taille gegriffen und stürmt mit ihm auf die Klippen zu um mit einem eleganten Kopfsprung, den Priester im Arm ins Meer zu tauchen.

Athlone hat ihre Stärke und ihr mitreißendes Wesen wiedergefunden.









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