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Die andere Seite - Eine Story aus Squärdrumen

Frans Hals 071

Der Flötenspieler

Swaqu, Patriarch des Hras-Stammes und Dominant von Llugg, saß an seinem Schreibtisch und schaute durch das Fenster auf die Hauptstraße von Llugg-Stadt. Es war ein typischer Wintermorgen im letzten Mond des Kronenjahres. Der kalte Wind vom Meer hatte Schnee über weite Teile des Freibundes abgeworfen und machte das Leben in diesem hellen Land nicht gerade angenehmer.

Der Dominant spitzte die Ohren, denn lieblich Flötentönen drangen von draußen in sein Arbeitszimmer. Swaqu stand von seinem Stuhl auf, öffnete die Tür und trat ins Vorzimmer, wo sich sein Schreib-Squinn ebenfalls schon erhoben hatten und der wundervollen Melodie lauschte. Gemeinsam gingen sie auf die Straße hinaus, dort hatten sich schon zahlreiche Krieger vom Hras-Stamm versammelt, die Swaqu alle aus Squärdalon hatte kommen lassen, um ihm bei der Unterjochung der Domäne zu unterstützen. Sie alle folgten dem Klang der Flöte zum Marktplatz, wo sich auch schon Squärkin aus anderen Stämmen versammelt hatten, die alle hier in Llugg tätig waren, sei es als Händler, Soldaten oder gar als Kolonisten in diesem trockenen Land. Dort auf dem Brunnenrand stand ein junger Haarloser und spielte die Flöte in höchster Perfektion. Wie im Bann lauschten die Squärkin der Musik. Als schließlich alle Squärkin der Stadt herbei geströmt zu sein schienen, stieg der junge Mann, ohne sein Spiel zu unterbrechen, vom Brunnen herab und ging langsam Hauptstraße hinunter. Swaqu und seine Verwandten und auch die anderen versammelten Squärkin, folgten dem Spielmann die Straße entlang, ihr Verstand wie benebelt von den lieblichen Tönen der Flöte. In Swaqus Kopf hämmerte eine Stimme und drängte ihn aufzuwachen und sich dem Flötenspiel zu entziehen, doch er konnte nicht, die Melodie schwemmte jeden derartigen Gedanken schnell wieder fort. Ihm war zwar so, als stimme etwas ganz und gar nicht, doch war für ihn nichts greifbar.

Die Flöte zog die Squärkin weiter, aus der Stadt raus, durch die Felder, immer weiter. Die Stimme nagte weiter in Swaqus Verstand, er wusste, dass etwas falsch war, aber dem lieblichen Spiel des Jünglings konnte er sich nicht verschließen. Und so folgten die Squärkin dem Flötenspieler Tag und Nacht durch die verschneite Landschaft Lluggs.

Doch dann wurde sein Spiel unregelmäßiger und seine Schritte unsicher, Müdigkeit verzerrte die Züge des Haarlosen. Schließlich musste er sein Spiel aufgeben. Der Nebel um Swaqus Verstand verflüchtigte sich und der Patriarch erkannte was passiert war.

"Und nun?" fragte er den reglos dastehenden Flötenspieler und gab seinen Untergebenen einen kurzen Wink. Nur wenige Augenblicke später war der Schnee rot gefärbt vom Blut des Jünglings.
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