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Diskussion unter Freunden über Nebensächlichkeiten - (Ophis-Karcanon, ca. 415 n.P.)


Eisig pfeift der Wind durch die Berge. Es ist kalt und feucht. Das Dorf scheint leer, alle schlafen. Am Feuer in der Mitte aller Hütten kauert ein dunkler Schatten, verloren in die Flammen starrend. Leiser Singsang erfüllt die Luft, obwohl leise, doch mühelos den Wind und die Geräusche der Nacht überflügelnd.

Eine Ratte rennt quiekend über den Platz, da taucht hinter dem Schatten ein anderer auf, so als würde er aus dem Boden wachsen. Der vor dem Feuer kauernde scheint etwas in sich zusammenzufallen und sich sodann, wie vom Wind in die Flammen und hindurchgetrieben, auf der anderen Seite des Feuers aufzurichten. Das flackernde Feuer erhellt die beiden Gestalten nur mühsam, doch ausreichend um...

„Vater!“

„Du wolltest mich noch nie Meister nennen, oder?“

Der erste der beiden Schatten greift in einen Beutel, welchen er um seinen Hals trägt und wirft etwas ins Feuer, welches daraufhin sofort heller und größer lodert. Es riecht nach Blitz.

„Du wolltest doch nie von uns so genannt werden, gib es ruhig zu!“

„Geschmeichelt hätte es mich wohl schon.“ „Haha, soll ich das glauben? Du warst immer mein Vater, nicht mein Meister!“

„Komm her, laß uns etwas aus dem Dorf laufen, ich möchte mit Dir reden.“

Der da zuletzt spricht, ist Rathulor Ar Makum, eine kleine, ältere, zu Fettsucht neigende Person mit kahlem, dunkel glänzendem Schädel. Er ist auch bekannt, als der größte Schamane Liguriens. Von Unkundigen des Schamanismus auch oft als der oberste Schamane oder der Führer aller Schamanen Liguriens bezeichnet. Eine völlig unzutreffender Titel. Sicher, sein Wort gilt viel unter den Seinen, doch ist er nie ernannt oder gewählt worden und schon gar nicht durch eigenes Machtbestreben zu dieser Stellung gekommen. Der andere der beiden schattenhaften ist äußerlich so ziemlich das genaue Gegenteil. Groß, schlank und jung. Die Haare sind auf Schulterlänge geschnitten. Doch das auffallendste an ihm sind Farben. Die Farbe seiner Haut, die Farbe seiner Haare, aller seiner Haare und die Farbe seiner Augen. Sehr helle Haut, sehr helles Haar und weiße Pupillen. Beide umarmen sich kurz und gehen leise aus dem Dorf einen steinigen Weg hinunter in Richtung eines kleinen Baches.

„Wie geht es Dir? Machst Du Fortschritte?“

Die Antwort des Jüngeren: „Du weißt, daß ich mich nie daran gewöhnen konnte, hilflos den Dingen ausgesetzt zu sein.“

„Also, mußt seinerseits Du die Dinge beherrschen lernen.“

„Doch das Beherrschen hat als Voraussetzung zuallererst das sich Ergeben. Es ist mühsam und bereitet mir keine Freude.“

„Ich weiß, Deine Bestimmung sah ich schon immer in anderen Dingen. Du wirst nie ein großer Schamane werden.“

„Du hast mich erzogen, blutet Dein Herz nicht bei diesen Worten?“

„Nein! Warum sollte es? Deine Aufgabe in dieser Welt wird eine ungleich schwierigere werden, als meine. Ist es denn nicht gleich, ob Du als Schamane der Natur dienst oder als Herrscher über ein Volk? Und das, so träumte mir, soll Deine Bestimmung werden. Wie geht es übrigens deiner Schwester?“

Marlikar? Gut, besser als mir, wenn ich an sie denke, denn... Nun ja, sie wird wohl erwachsen. Wenn sie nicht so..., so wäre wie ich, könnte ich bald beginnen, ihr einen Mann zu suchen. Doch wer will sie schon, so wie sie aussieht, so wie sie spricht und so wie sie denkt. Alle haben Angst vor ihr.“

„Das ist keine Angst, sie spüren nur, daß sie ihnen überlegen ist. Weißt Du, ich möchte sie verheiraten.“

„Was? Mit wem?“ Der Jüngere bleibt überrascht stehen und zieht den alten Mann herum zu sich. Der bleibt unwillig stehen und verschnauft tief.

„Euer Vater wünscht dasselbe - nachdem ich eine Weile mit ihm redete.“

„Du bist unser Vater! Wer ist schon er, der uns verschreckt unseres Erbes enthielt?“

„Trage ihm nichts nach! Gab er Euch nicht in gute Hände? Nicht das ich mich loben wollte, aber ich lernte Euch Dinge, welche Euch euer Vater nie hätte zeigen können. Doch die Zeiten sind hart und es geschehen Dinge, die seine Ansichten änderten. Doch er ist zu alt geworden, um noch dagegen zu kämpfen.“

Ar Makum weist mit seinem Stock auf einen großen Stein. Der Jüngere nimmt die Einladung an. Beide sitzen eine Weile stumm nebeneinander. Bis Ar Makum wieder das Wort ergreift:

„Sieh, ich weiß, das Hextor sich nicht mehr lange am Leben erfreuen wird, eine furchtbare, schier unheilbare Krankheit ist es, unter der er leidet. Dämonen ergriffen von ihm Besitz und er wird ihnen nicht entkommen können. Schon jetzt ist er ihnen ausgeliefert. Doch sein Glaube an die Macht der Natur litt zugunsten eines Götzenglaubens, welcher ihn nun einen Abgrund hinab stoßen wird.“

Wieder eine Weile Stille.

Der Jüngere bricht das Schweigen: „Und wo ist der Haken, dem wir unsere Kehle opfern sollen?“

„Das nun, so hoffe ich wird wohl nicht nötig sein. Deine Schwester und Du, Ihr seid von gewissem Adel. Was wäre, wenn Hextor in kurzer Zeit einen Nachfolger benötigte? Dein Vater wäre meiner Meinung nach die beste Wahl als Lord aller Clanlords. Doch er, störrisch wie er nun einmal ist, er weigert sich. Du sollst diese Rolle übernehmen, so lautet sein Wunsch! Nein, laß mich bitte reden! Eine Wahl ist immer ein Anlaß für Unfrieden und Zwistigkeit. Und das ist gerade das, was wir am allerwenigsten brauchen. Es gibt Kräfte, die ein geteiltes Reich errichten wollen. Man darf ihnen keine Ansatzpunkte geben! Dein Vater ist alt, sollte er gewählt werden, wie schnell kann es dann geschehen - was ich natürlich nicht will! - daß er den Strapazen einer Regierung nicht gewachsen ist und vielleicht zu früh in den dunklen Hort der Seelen wandert. So ist die Reihe nun an Dir! Als sein leiblicher Sohn, wem außer Dir wäre es möglich eine gemäßigte Politik mit gezielten Stärkebeweisen zu betreiben, ohne unser aller Interessen zu hintertreiben?“

Der Jüngere der beiden lacht leise. „Wieviel Überredungskunst war Deinerseits nötig, so daß der alte Tyrann mich überhaupt als Lord der Lords vorschlagen würde?“

„Du kennst mich. Habe ich großen Einfluß auf Deinen Vater, habe ich ihn jemals gegen seinen Willen beeinflussen können? “ Beide lachen laut auf.

„Dann willst Du mich also als Hextors Nachfolger? Hm, der Gedanke gefällt mir sogar, ich hätte nie daran geglaubt, daß ich doch noch ein Clanlord, wenn nicht gar DER Clanlord werden kann.“ „Freue Dich nur nicht zu früh! Zum Einen ist noch nicht sicher, ob Hextor Dir die Ehre seiner Nachfolge so bald zuerkennen wird und ob die anderen Clans Dich akzeptieren werden ist ähnlich ungewiß, zum Anderen ist in diesen Zeiten das Amt keines, welches man so nebenbei mit großen Freuden erledigt. Du benötigst entweder großen Durst nach Macht oder eine riesige Portion Idealismus. Was ich hoffen soll, welche davon Deine Stärkere Triebfeder sein soll, weiß ich leider nicht. Ich werde so oder so ein waches Auge auf Dich werfen müssen.“

„Nur zu! Aber dennoch, "Clanlord Hanlinor", ein Name mit gutem Klang, nicht wahr?“ Er überlegt eine Weile, dann legt er den Kopf etwas schief, hebt seinen Rock mit beiden Händen eine Idee an und macht einen Knicks in der Art kleiner, wohlerzogener, artiger Hofmädchen. Mit verstellter Stimme spricht er: „So nun ist die Reihe an mir, liebster Vater, wem habt Ihr meine zarte anmutige Hand zugedacht, wenn es mir erlaubt ist, diese Frage zu stellen?“

Beide brechen in schallendes Gelächter aus. Nach Luft schnappend beginnt der ältere Schamane: „Wenn sie Dich so gesehen hätte, was wäre Dein Leben nun noch wert?“

„Sie hat ihn gesehen! Männer!“

Beide Schamanen fahren herum, dort steht plötzlich Marlikar, die ihrem Bruder sehr ähnlich sieht. Nur ihr Haar ist etwas länger. „Aber Schwester, war ich nicht ein perfektes Du?“

„Schweige! Unwürdiger!“ Sie lacht und umarmt Rathulor. „Was höre ich? Du willst mich verheiraten? Solltest Du nicht zuallererst einmal mich fragen? Oder bist Du Dir Deiner Wahl so sicher?“

„Was sollte ich Dich fragen? Der Bräutigam wird entscheiden. Du bist nicht die Einzige. Ich zweifle bei nochmaligem Nachdenken, daß er Dich überhaupt nehmen wird.“

„Als ob die Schwester von Hextors Nachfolger keine gute Wahl wäre für diesen Soldaten aus Quadrophenia?“

„Du hast gelauscht! Doch woher weißt Du an wen ich dachte?“

„Vielleicht trieb ich meine schamanischen Studien weiter und intensiver als mein Bruder?“ „Also, laßt uns irgendwo etwas essen gehen. Dabei wollen wir die Sache weiter diskutieren, wie wäre das?“ Hanlinor zieht beide in Richtung des Dorfes.

„Gut, aber diskutieren müssen wir nicht mehr viel, dieser überaus leise Protest Deiner Schwester zeigt mir, daß sie dem Gedanken, ihr Leben an der Seite Steq'kers zu verbringen gar nicht so abgeneigt ist“

„Man sagt, er sei von überragender Schönheit und ein echter Mann!“

Alle Lachen und wenden sich dem Dorfe zu.
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