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Ioban

„Über die oklische Steppe Aylands hallte der Ruf seines Tokapis. Das Tier war schnell und ausdauernd, und die kleine Herde wilder Graupferde, die Ioban jagte, würde ihm nicht entkommen. Ein frischer Wind wehte von Machairas her; der Ay verfluchte diese Tatsache, hatten doch die Pferde seine Witterung frühzeitig aufgenommen.

Zwischen den beiden gebogenen Hörnern seines Reittiers spannte sich die Bogensehne. Iobans erster Pfeil traf eines der Graupferde, brachte es aber nicht zu Fall. Laut wiehernd warf es sich herum. Er wäre ein schlechter Jäger gewesen, hätte er das verwundete Tier sich selbst überlassen, nur um die Herde nicht zu verlieren. Der Ay trieb sein Topaki zu noch größerer Eile an. Das Gelände wurde hügeliger, ausgedehnte Geröllfelder begannen. Nicht mehr weit im Ophis erhob sich wie ein drohender Wall die Düsterzone. Etwas Bedrohliches, Furchteinflößendes ging von ihr aus. Der Ay schleuderte eine Reihe von Verwünschungen gegen die Schattenzone. Er mußte das Tier erlegen. Seit mehreren Monden hatte niemand in seinem Dorf mehr frisches Fleisch gegessen - seit die schrecklichen Drei vom Hungerturm alles Vieh davongetrieben hatten. Der Wind drehte, blies jetzt von Oklis her;. Staub verschleierte die Sicht. Ioban zog sich die Kapuze tiefer ins Gesicht. Von irgendwoher erklang ein kurzes, abgehacktes Wiehern. Der Wind trug ihm die Laute zu. Gleichzeitig wußte der Ay, daß er nun die Beute erlegen würde. Da war ein Licht zu seiner Rechten. Aus den Augenwinkeln heraus nahm er es wahr, aber als er den Kopf wandte, schien es verschwunden. Hinter einem Hügel wälzte sich das Pferd auf dem steinigen Boden und versuchte so, den abgebrochenen Pfeil in seiner Flanke loszuwerden. Diesmal zielte Ioban sorgfältig und traf. Da war das Leuchten wieder, nachdem er abgesessen war. Es zog ihn in seinen Bann. Von einem Herzschlag zum anderen schien die Jagdbeute vergessen. Er wandte sich gen Süden, begann zu rennen, immer schneller, bis sein Atem hart und keuchend ging und es in seinen Lungen wie Feuer brannte. Das Böse Auge der Quida hatte ihn gerufen; er konnte nicht anders, als diesem Ruf zu folgen. Zu stark war der magische Einfluß, dem immer wieder Ays verfielen. Plötzlich verlor er den Boden unter den Füßen. Wild mit den Armen rudernd, stieg er höher und höher empor, und die Furcht schnürte seine Kehle zu.

Die Düsternis sog ihn auf, und das letzte, was er wahrnahm, war ein anschwellendes Brausen wie von einem herannahenden Sturm …“

My120

Bewohner des Crusenriffs in der Schattenzone. "Reich waren auch Männer wie Ioban, deren Erinnerung ein nie versiegender Quell war. Ioban mochte uralt sein, sein schlohweißes Haupthaar, das ihm bis weit über die Schultern reichte, hatte er ebenso wie seinen dichten Vollbart zu Zöpfen geflochten und diese zu kunstvollen Knoten geschlungen. Sein Wams war längst zerschlissen und ließ die einstige Farbenpracht nur mehr ahnen. Ioban lebte allein in seiner Hütte, die er aus Treibholz auf der Schale einer jungen, kaum zwanzig Schritte durchmessenden Cruse errichtet hatte. Er galt als Weiser und genoß demzufolge einige Achtung, denn er kannte Dinge und Namen, von denen andere nie gehört hatten. Und er verstand es, selbst größere Wunden zu heilen. Im Grunde seines Herzens war Ioban stets einsam geblieben. Er träumte oft, und nur in seinen Träumen durfte er wirklich glücklich sein. Dann sah er wieder die Sonne, glaubte, ihre wärmenden Strahlen auf der Haut zu spüren, die längst bleich und faltig geworden war. Wenn er anderen von der Freiheit des Himmels erzählte, vom Spiel der Wolken, schüttelten sie verständnislos den Kopf. Das alles vermißte Ioban. Wenngleich es ihm nicht am Willen mangelte, eine Rückkehr in seine Heimat wenigstens zu versuchen, so doch an der Kraft des Körpers.

My060

Titelbild von My60 zeigt das eingesaugt werden, wie es Ioban geschah.

In seiner Vergangenheit als junger Mann lebte er bis zum Jahr 220 in Logghards Zeitrechnung (150 vP) als Jäger der Ay in Ayland, im heutigen Gwynddor, am Rande der Düsterzone, bis Quidas Böses Auge ihn in die Schattenzone sog und er dort einen Weg durch diese Land, die im Altertum ein Reich der Dämonen war, finden musste.

Sein Zuhause im Riffland war kein Haus, eher eine Hütte auf einer Cruse, ein lehmverschmiertes Geflecht aus Ästen, Steinen und lebenden Ranken. Als er den Korallen des Rifflands zu nahe kam, war es der Jäger Yurkas, der ihn rettete, mit Steinsalz, das die Dämonenranken zum Rückzug brachte. Zusammen mit Yurkas, Torjem und anderen war er zur Jagd unterwegs, als Mythor mit Carlumen das Crusenriff erreichte. Diesem zeigte er den Weg zum DRAGOMAE-Kristall in der Königscruse und half ihm am 70.Tag seiner Reise durch die Schattenzone zu einem Sieg über den Darkon:

My120

Das Crusenriff, wo Ioban für Mythor kämpfte. Titelbild von My120.

„Bevor jemand etwas erwidern konnte, hastete Ioban heran. Triumphierend hielt er einen mehr als doppelt faustgroßen Klumpen Perlmutt in Händen und reichte diesen dem Sohn des Kometen. Als Mythor mit Alton zuschlug, bröckelte das Perlmutt ab, und zum Vorschein kam tatsächlich ein DRAGOMAE-Baustein.“

My120


Ioban blieb als Weiser am Crusenriff und neuer Freund Mythors zurück, während der Kometensohn weiterzog.

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