FANDOM


Überblick Karcanon Von Aw im Jahr der Puppen 428 n.P. Bis Nisan im Jahr der Alpträume 430 n.P. Bearbeiten

Was ist geschehen in all dieser Zeit auf Karcanon? Wenig und unglaublich viel zugleich. Was in den einzelnen Reichen geschehen ist sollen die ChronistInnen dieser Reiche beschreiben – es wird seinen Weg in die kommenden Ausgaben dieses Boten finden. Hier soll es einige Momentaufnahmen geben, die nur einen kleinen Einblick geben in all das Geschehene.

Schutz für das Licht – Schutz vor dem Licht Bearbeiten

In der Großen Ebene der Wagenvölker von Aerinn war die Zeit der Baumeister angebrochen. Die Arbeiter haben den Ausbau der neuen Burg Masarlon zur neuen Stadt bereits begonnen und rechnen mit einer Fertigstellung vor Elul 430, falls nicht Kampfhandlungen die Bauarbeiten unterbrechen. Bisher gehen die Arbeiten gut voran.

Zorman cen Calaniss trübt das gute Bild nur ein wenig mit seiner Forderung, der besonderen Bedeutung von Karia als Tempel an der Front und als Ort wo nun so viele Heere lagern dadurch gerecht zu werden, dass Karia zu einem echten Grossen Tempel ausgebaut werden sollte - vielleicht schneller mit Hilfe einiger Arbeiter von Masarlon, weil doch der Tempel und die Sache des Göttervaters für einen Erfolg in der "Ebene der Dämonen" wichtiger sei als eine profane Stadt.

Auch er kann bereits Erfolge vorweisen, nicht nur in der Missionierung einiger Reiternomaden, sondern auch in der Fruchtbarkeit: Was lange Jahre nicht oder fast nie vorkam ist diesen Frühling wieder wahr geworden: Die Brontos kalben und haben einigen Nachwuchs im Umfeld von Karia zur Welt gebracht.

Auf der anderen Seite haben auch die Kämpfer des Freistaats Aerinn einen Wall hochgezogen um sich vor den Heeren des Lichts zu schützen – gegenüber der borgon-dylschen Burgen Ceria und Sermylon wurde ein Wall hochgezogen, mit dem Aerinn seine Eroberungen der vergangenen Jahre, vor allem die Waldregion Rijmtal um die Burg Ordenswacht zu schützen, die einstmals Rijmtalon geheissen wurde.

An den Ufern des Seelydon stehen sich die beiden Reiche jetzt bis tief in die Berge als Nachbarn gegenüber: Selbst von den Mauern von Sherona aus kann man die Aeri jetzt sehen, während die ehemals atarischen Burgen Atawehr und Spinnenwacht bereits in Händen von Naaliten sind. Die atarischen Festungen Amira und Suradan, die mit Spinnenwacht verbunden die Monsterhügel bewachen sollen, leben noch heute (430 nP) in Prunk und Lust als ob kein böser Albtraum das Morgen trüben könnte (siehe Bild unten). Ob die dortigen Tempel allerdings einen Schutz für die Lichtmächte bieten werden darf, anders als bei Karia oder -tiefer in der Großen Ebene- Aglorok, bezweifelt werden.

Dem Feuer entgegen Bearbeiten

Das Heer, das in den vergangenen Monaten eine Siedlung nach der anderen eroberte, gehörte nicht zu den finsteren Verbündeten der Wergols, die auf Rillanon noch immer ihr Unwesen treiben, sondern es gehört Stück für Stück des von Marthog beherrschten Gebietes jetzt den Feueranbietern von Enceril. Jamcatez von Mariguy, der Provinzherrscher und Anführer der Heiligen Flotte, treibt seine Truppen dem Feuer entgegen, auf den Vulkan der Götterberge zu – auch wenn ihn dort ein Alptraum erwarten kann, den der einstige Schutzherr Helions, der Magier Clarion von Helion (heute von Ancarthabath) schon hinter sich hat.

Das gleiche Ziel übrigens, Rillanon von der Finsternis zu befreien, hat dem Vernehmen nach eine kleine aber entschlossene Gruppe, die am Grünen Meer immer mehr Verbündete sammelt und reaktiviert, um beim Einfordern alter Loyalitäten von Aldrajo bis Senja, von Thahar bis Valece, dem Sohn den Respekt zukommen zu lassen, der einst dem Vater gebührte.

Die Attacke der Goldenen Schar Bearbeiten

Die Goldene Schar war ausgeritten, um den Feind zu stellen und zu vernichten. Der Feind, das waren die Burundi aus Pottuvil, die Geißel von Midlifee, mörderische Menschenfresser und fanatische Anhänger der wahnsinnigen Göttin Pottundy. Aus Tarenum waren die Legionen Midlifees und Bakanasans gekommen, um ein kleineres Heer des Feindes anzugreifen, welches über die Kleine Mauer gekommen war und eine Garnison eingenommen hatte. Doch umfasste dieses Heer immer noch über zweitausend dieser furchtbaren Wesen und so hatte Flavius Antonius Sebastius alle Heere aufgeboten, die zur Verfügung standen. Dies waren fünfzehn Legionen des Reiches sowie die Fünfte Legion von Midlifee. Letztere jedoch war nach verlustreichen Kämpfen weit unter der Sollstärke von 2500 Reitern, nur drei Kohorten konnte General Constianius Brassica ins Feld führen und selbst diese nur jeweils zur Hälfte besetzt. Dazu kam das Fenderium der Chnumiten, unter Hochmeister Titus Cujus, in ihrer weißen Ordenstracht mit dem roten Y als Zeichen des Widders.

Es war der Abend vor der Schlacht und Tiberius Faustus Opiter schritt durch die Reihen der Lager der Dritten Kohorte, deren Erster Lanzenreiter er seit einiger Zeit war. Feuer waren nicht gemacht wurden, die Generäle hofften, den Feind überraschen zu können. Die Fünfte Legion von Midlifee war die Legion von Adesus Dukatez gewesen, bevor er zum General und zum Proconsul aufstieg. Dies war die Legion an deren Spitze er in Praeparata einzog und im Auftrag des Senats den Regentor Fraxinus vom Thron stieß. Noch immer waren einige Männer in der Fünften, die damals dabei gewesen waren und Dukatez gekannt hatten. Opiter fürchtete ihre Blicke. Sie sahen seinen Vater in ihm. In ihren Augen las er Erwartungen, die er nicht erfüllen konnte und auch nicht erfüllen wollte. Tiberius hatte eigentlich nie Soldat werden wollen, aber in seiner Dienstzeit erwies er sich als talentiert und so blieb er. Offenbar waren seine strategischen Fähigkeiten ein Erbe seines Vaters, neben den Augen vielleicht das einzige, was ihm dieser Mann je gegeben hatte.

Kurz vor Sonnenaufgang nahmen die Legionen Aufstellung, die Disziplin war hoch und die Moral gut. Nicht zuletzt die im Wind flatternden Banner der Chnumiten zeigten allen, dass der Göttervater mit ihnen war. Die Fünfte befand sich an der linken Flanke und hatte die wichtige Aufgabe zu verhindern, dass die Burundi-Armee sich auflöste und ins Umland floh, wo die zahlreichen Dörfer und ihre Einwohner ein leichtes Opfer selbst für nur kleine Banden dieser Monster wären.

Proconsul Flavius Antonius Sebastius ritt an der Spitze der Fünften und der anderen Legionen auf dieser Seite des Heeres. Tiberius mochte den Mann nicht besonders. Sebastius war schon der Laufbursche von Galba gewesen, als dieser noch der Laufbursche von Dukatez war. Er war mehr ein fähiger Verwalter und ein Mann des Wortes, als ein echter Legionär. Aber als Proconsul von Midlifee tat er seine Pflicht und ritt an der Spitze der Legionen. Dies zumindest konnte Opiter anerkennen. Nun kam sicherlich eine Rede, dachte sich Opiter und tatsächlich erhob der Proconsul die Stimme.

„Legionäre! Vor uns ist der Feind! Lange schon ziehen die Menschenfresser mordend und plündernd durch unsere Heimat, doch heute ist der Tag an dem wir es ihnen heimzahlen werden. Heute ist der Tag an dem wir ein Heer des Feindes stellen und vernichten werden! Gleich ob Omaden oder Bakanasaner, stammen wir alle aus Midlifee und kämpfen gemeinsam für unsere Heimat, unsere Familien und unsere Freiheit! Für Midlifee und Bakansan! Für Chnum und den Heiligen Adesus! Vorwärts, ihr Reiter der Goldenen Schar! Attacke!“

Opiter zuckte zusammen, als der Name seines Vaters fiel, doch die Legionen brachen in Jubel aus. Er sollte sich mehr zusammenreißen und sich nicht immer anmerken lassen, was er von dem Mann hielt, der von den Männern so verehrt wurde. Er konnte es ihnen kaum übel nehmen, was wussten sie schon. Jedenfalls nichts über seine Mutter, die an ihrer vergeblichen Liebe zu Dukatez zu Grunde gegangen ist. Er hatte sie benutzt und geschwängert, dann aber weggeworfen wie eine gewöhnliche Straßenhure. Selbst als Opiter aufwuchs und begreifen konnte, was mit seiner Mutter war, sprach sie in ihren klaren Momenten noch immer von „ihrem“ Legionär, der eines Tages zurückkommen würde, um sie zu heiraten. Nur mühsam schob Opiter die bitteren Erinnerungen beiseite, setzte seinen Helm auf und konzentrierte sich auf die Gegenwart.

Die Legionen Bakanasans setzten sich in Bewegung. Die ersten Meilen legten sie in einem ruhigen Tempo zurück, um die Distanz zu den Burundi zu reduzieren, doch schließlich steigerten die Generäle die Geschwindigkeit. Immer schneller gallopierte die Goldene Schar über die Ebenen von Midlifee. Opiter sah nach rechts zu Galion, seinem Stellvertreter. Der Omade grinste wild vor Freude, das lange Haar flatterte unter seinem Helm hervor im Wind. Opiter wusste, dass Galion auch zu Artan betete und wer konnte es ihm verdenken, wo sie doch jetzt wie der Sturmwind der Prärie selbst über die Ebenen fegten.

Die letzte Meile. Die Legionen fächerten weiter auf und näherten sich den Burundi in breiter Front. Natürlich waren diese nicht überrascht, aber gut aufgestellt sahen sie auch nicht aus. Irgendwo stimmte ein Chnumit den Choral des Heiligen Aurelius an und viele tausend Reiter stimmten ein. Mit einem gewaltigen „Chnum, in Deinem Namen kämpfen wir“ prallte die Goldene Schar auf die Reihen der Burundi. Lanzen bohrten sich in Burundi, Reiter wurden aus ihren Sätteln geschlagen und beide Heere lösten sich auf in das Chaos der Schlacht. Opiter versuchte seine Kohorte zusammen zu halten, doch wusste er, dass es nur eine Frage der Zeit war. Darüber machte er sich recht wenig Sorgen, die Heere Bakanasans waren gut ausgebildet und konnten in kleinen Einheiten unabhängig von der Kommandostruktur agieren. Die Taktik, die gegen die Burundi angewendet werden sollte, war immer wieder geübt worden. Immer gingen neun Reiter zusammen auf einen Burundi. Die ersten beiden Legionäre lenkten das Monster durch einen Scheinangriff ab, die nächsten drei stießen ihre Lanzen in den Gegner, während vier weitere Reiter Deckung gegen andere nahe stehende Burundi gaben.

Besonnen und mit viel Übersicht über die Kampfsituation führte Opiter seine Kohorte durch die Schlacht. Er nahm sich Burundi nach und nach vor, suchte sich immer Gruppen aus, die von ihren Gefährten getrennt waren. Wie Löwen eine Herde Antilopen umkreiste er die Feinde auf der Suche nach dem nächsten Opfer. Immer wieder stieß die dritte Kohorte in die Reihen der Feinde, isolierte sie und machte sie nieder. Zahlreiche Burundi und Legionäre fielen. Das geschundene Land saugte ihr Blut gleichermaßen auf, da machte es keinen Unterschied. Doch an diesem Tag bekam die Erde mehr Burundi-Blut zu trinken und die Schlacht entschied sich zu Gunsten der Goldenen Schar.

Opiter streifte einsam durch die Nacht. Er mied die Lagerfeuer, weil er allein sein wollte mit seinen Gedanken. Es war eine schwere Schlacht gewesen, die Verluste waren hoch, doch der Feind vernichtet. Von links erhoben sich zahlreiche Stimmen und gaben einem alten Lied einen neuen Inhalt.

  • Bakanasans große Stunde,
  • sein Triumph in aller Munde,
  • kommt und seht was heut geschah
  • seht den Sieg der Goldenen Schar!

Die Männer tranken und sangen schon wieder. Wie konnten sie nur feiern, wo sie so viele ihrer Kameraden hatten begraben müssen? Vergaßen sie ihre Freunde so schnell? Oder war es nur die Freude, nach diesem grauenerregenden Tag noch am Leben zu sein? Opiter konnte es ihnen nicht gleich tun, er trug zu schwer an dem Erlebten. Er überlegte, was nun als nächstes gesehen sollte. Er hatte genug vom Krieg und war es leid, gute Männer in den Tod zu führen. Nur zu gerne würde er ein kleines Landgut irgendwo fern ab von der Front bewirtschaften und eine Pferdezucht aufbauen. Nein, er wollte kein Soldat mehr sein. Allein stand Opiter am Grab von Galion, der nicht nur sein Stellvertreter gewesen war, sondern auch sein Freund. Von hinten trat Sebastius hinzu.

„Es tut mir leid, Opiter, er war ein guter Soldat.“ „Einer der besten, Proconsul, aber nicht besonders klug. Als seine Gruppe sich auflöste, griff er die Burundi allein an.“ „So sind die Omaden, ein tapferes Volk. Früher haben wir sie bekämpft, ich bin froh, dass sie nun auf unserer Seite kämpfen.“ „Viele tun es nur aus der Not heraus, wünschen sich aber noch immer ihr eigenes Reich zurück. Galbion, aber war ein von uns, mit ganzem Herzen. Die Welt ist ärmer ohne ihn.“ „So auch ohne die vielen anderen“; seufzte Sebastius. „Brassica ist gefallen, zwei Burundi haben ihn vom Pferd geholt und sogleich portioniert. Seine Männer kamen nur noch rechtzeitig, um sie von einer Zwischenmahlzeit abzuhalten.“ „Oh, das ist bedauerlich, er war ein fähiger General und die Legion mochte ihn.“

„Wie wahr, Opiter, aber das wird auch auf Euch zu treffen. Ihr werdet die Fünfte nach Tarenum führen. Bringt eure Männer nach Hause, General.“

Entgeistert starrte Opiter dem Proconsul nach, als sich, dieser ohne auf eine Antwort zu warten, abwandte und zu seinem Zelt ging. Warum musste so was immer wieder ihm passieren?

Der gehörnte General Bearbeiten

Cassius Livius eilte durch die Gänge des kaiserlichen Palastes in Chalkis. Seine Uniform und Rüstung waren neu, aber er trug noch immer die seiner Heimat Bakanasans, selbst wenn er und seine Legionen inzwischen in den Diensten Bofris von Karcanon stand. Zu diesem war er gerade unterwegs, nicht sicher ob er mehr verwirrt oder verärgert war. In der Tasche trug er die Befehle Kafryas von Erendyra, der Gemahlin des Kaisers. Wieso gab sie ihm Befehle, hatte er nicht Bofri die Treue geschworen? Sie war seine Gemahlin, aber sprach sie damit auch für ihn? In Bakanasan wäre dies nicht üblich und darin lag ein Teil von Cassius Verwirrung. Der andere Teil lang in dem Befehl selbst und war drauf und dran in Ärger umzuschlagen. Aufteilen sollte er seine Legionen! Kasernendienst sollten sie schieben! Ein Teil sollte für die Verteidigung der Stadt bereitstehen, ein anderer für den Schutz des Grünen Meeres und der dritte Teil sollte wieder um die halbe Welt segeln, wo immer die Finsternis zuschlug. Aber erstmal nur abwarten. Dabei war die Finsternis doch so nahe! Tobten nicht Dämonen über die Große Ebene? War Rillannon nicht nur eine kurze Überfahrt entfernt? Die Flotte war in den Befehlen nicht berücksichtigt, was sollte aus ihr werden? Eine Attraktion für Reisende im Hafen von Chalkis? „Kommt und zahlt dreißig Silberlinge für eine Besichtigung der Überreste der Flotte des Lichts“? Cassius riss sich zusammen als er merkte, dass er unfair wurde in seiner aufkeimenden Wut. Sicherlich würde Bofri die Sache klarstellen können und ihm erläutern was die Befehle zu bedeuten hatten. Sicherlich hatte der Kaiser nicht vergessen, dass Cassius geschworen hatte unter seinem Befehl gegen die Finsternis zu streiten, gegen die Dunkelheit zu ziehen. Also worauf wartete Bofri noch?

Beratung der Berater - Kaiserlicher Rat Chalkis, Anfang 430 n.P. Bearbeiten

Der Zorn in Cassius Livius, General der einzigen wirklich genuin kaiserlichen Truppen des Kaiserreiches Karcanon seit die Bakanasanischen Helden der Zweiten Lichtliga sich dem Kaiser unterstellt hatten, war nur mühsam zurückgehalten, als er in die Halle des Rates stürmte.

Seine militärische Disziplin aber brachte ihn dazu, sich zunächst auf seinen Platz zu setzen und zu warten bis ihm das Wort erteilt wurde - auch wenn er den Kaiser heute zur Rede stellen wollte.

Flankiert von zwei Frauen sass Kaiser Bofri von Karcanon an einer Seite des grossen Ovals: Zur linken sass die Fee Baleine, die Patin des kaiserlichen Kindes, des Prinzen Berendor, auf seiner rechten Seite dagegen sass die Kaiserin Kafrya genannt von Erendyra, die sich selbst zumindest von Chnumpriestern noch immer Schwester Mandelblüte nennen liess. Sollte wirklich eine Frau, und sei es eine Kaiserin, über die Truppen des Hornzugs befehlen dürfen? Cassius Livius brannte darauf, das zu erfragen, der fragliche Befehl aber brannte nicht wirklich ein Loch in die Taschen seines Gewands, auch wenn es sich so anfühlen mochte.

Nach Berichten von verschiedenen Teilen der Welt, vom Ende Rest-Kelanis und vom Wiedererwachen Cyrianors, vom Nebel auf Kiombael und den Toren der Traumritter, von den Zügen der Schwarzen Flotte und dem Verschwinden der meisten Nebcanaun in die Nebel der Ungewissheit, gab der Vertraute des Kaisers Cassius ein Zeichen, dass er der nächste nach dem laufenden Bericht sein würde. Aufmerksam lauschte Cassius Livius den Worten des Händlers in der Runde, des Lapathiers Dog Adams:

"Es wird den Vertreter Silurs, König Ragall, freuen zu hören dass der Handel den ich vorzunehmen die Ehre hatte, erfolgreich war: Der Austausch ist erfolgt und schon in der kommenden Woche soll die Flotte Silurs unter dem berühmten Admiral Losgart Abbo, mit der Broeliande dabei, in den Hafen der Kaiserstadt Chalkis einlaufen. Die gewünschte Lieferung wird zur gleichen Zeit Nova Helion erreichen und der Ausstausch damit friedlich und erfolgreich über den Tresen gebracht sein. Die viele Monate gefangenen Silurer sind auf Betreiben Eurer erhabenen Majestät, Kaiser Bofri von Karcanon, wieder frei." Applaus war von einige zu hören, während andere als Zeichen ihrer Zustimmung mit den Knäufen ihrer in Scheiden verwahrten Schwerter auf den Tisch schlugen.

Wo, dachte sich General Cassius Livius, war da der Kampf gegen die Finsternis, wenn Krämer ohne Kampf den Feinden des Kaisers Geld gaben um ihre Ziele zu erreichen? Dann war es an ihm das Wort an den Kaiser zu richten.

"Ich habe diesen Befehl erhalten für meine Truppen, auf Geheiss der Kaiserin wie es heisst. Aufteilen soll ich die Legionen, zum Kasernendienst verurteilt. Ist die Finsternis nicht nahe genug? Toben nicht Dämonen in der Grossen Ebene? Ist nicht Rillanon, Hort der Wegols, nur eine kurze Seefahrt entfernt? Und ist es wahr, dass die Kaiserin hier anstelle des Kaisers spricht, dem allein wir Treue geschworen haben?"

Es war der Kaiser selbst, der sich erhob um sich an ihn zu wenden: "Edler Cassius Livius, es sind Eure Legionen, die dem Licht dienen und für das Licht streiten sollen, hier, rund um das Grüne Meer und auf der ganzen Lichtwelt! Nicht Kasernen sondern Schlachtfelder werden ihre Heimat sein, auch wenn der Schutz dieser Stadt, des Zentrums des Kaiserreiches, während die Naaliten, die Schlangenkrieger des oSeth, durch die Monsterhügel vorrücken, zu den zentralen Aufgaben gehören wird. Und es sind meine Entscheidungen, auf wessen Rat auch immer ich sie treffe, die Euch in die Einsätze senden. "

"In diesem Fall war es Kafrya, die mir den Rat gab, die Legionen dort einzusetzen wo sie für die Lichtwelt am wichtigsten sein können. Wenn Helion ruft dann auf Rillannon, wenn Borgon Dyl oder Bagunda bitten, dann in der Großen Ebene gegen die Dämonen, und wenn Thumgal zu fallen droht auch dort gegen die Schlangenkrieger, die Augensucher und Aerinns Priester. Und wenn Sartakis zu fallen droht durch den Ansturm von Diabelos oder Dandairia durch den Ansturm aus Kriegoria, dann auch dort. Weltweit und vor Ort wo immer der Kampf gerade am heftigsten tobt und am Wichtigsten ist - eine verantwortungsvolle Aufgabe die Euch, General Livius, am ehesten von allen zuzutrauen ist."

"Klagt aber gegen den Rat anstatt gegen die Ratgeberin. Denn auch Ihr hättet Eure Stimme erheben können, als das hier in der Runde besprochen wurde. Und wenn es um Phialeia geht wird Koja Lessars Stimme so gehört werden wie die Aydias, wenn es um das bedrohte Quadrophenia geht wird dazu auch Gerontius von Haldorn oder Sunrise von Sakilia gehört werden - und Euer Rat besonders willkommen sein."

"Nicht eine Person in diesem Rat entscheidet für alle, auch nicht die Kaiserin. Sondern wir beraten gemeinsam, entscheiden gemeinsam - und ich verantworte, dass es die richtigen Entscheidungen sind, die wir treffen. Die wir gemeinsam treffen, Cassius Livius, mit Euch und den andren hier." Dabei wies er in die Runde, und wieder machten alle ihre Zustimmung hörber - nach einem Moment des Zögerns auch der General aus Bakanasan.

Drängende Fragen Bearbeiten

Nachdem die Worte des Kaisers und die darauffolgenden Äußerungen der Zustimmung verklungen waren, erhob sich eine dunkelhäutige Frau, die allein schon wegen ihrer Erscheinung in dieser Runde sehr auffällig wirkte.

Rimjin n'Jalkhan war zwar keine reinrassige Borgon-Dun, doch floss genug Blut der Kinder Borgons in ihren taranischen Adern, dass das einem Außenstehenden kaum aufgefallen wäre. Jedenfalls strahlte ihre Pose und ihre ganze Persönlichkeit denselben unbändigen Stolz aus, der die Adligen Borgon-Dyls so unverwechselbar auszeichnet. Ebenso unbändig wie ihre Haarmähne, die von dem schmalen Stirnschild kaum gezähmt wurde. Falls es jemandem ungebührlich erschienen sein sollte, dass Rimjin unaufgefordert das Wort ergreifen wollte, so ignorierte sie das. Vielmehr wendete sie sich direkt an den Kaiser:

"Eure Kaiserliche Majestät, ich danke Euch für Eure Worte, und im Namen unserer Deye, Eurer treuen Kampfgefährtin bei der Lichtliga zur Rettung Silurs, bitte ich um die Hilfe der kaiserlichen Truppen zur Säuberung der Großen Ebene der Wagenvölker von den Dämonen, die Ihr vorhin erwähntet. Wir erbitten diese Hilfe nicht für uns, sondern zur Vernichtung der Dämonenbrut. Sollte diese sich ausbreiten, könnten sich Ereignisse wie wie vor 15 Jahren wiederholen. Die Bannfrist für den Verderber ist abgelaufen, und es liegt einzig an der Macht der verbliebenen Dämonen und derer, die sich ihnen entgegenstellen, ob er wieder beschworen werden kann. Desweiteren möchte ich um nähere Auskünfte zu der Bedrohung bitten, der sich Quadrophenia ausgesetzt sieht, denn von unseren Gesandten, die vor einem Dutzend Jahren zu unseren Verbündeten aufbrachen, fehlt uns jegliche Kunde. Ich danke Euch". Und damit nahm Rimjin wieder Platz, ohne die Reaktionen auf ihre Worte abzuwarten...

Dreierlei Antworten im Rat

Nachdem die Borgon Dun sich setzte, war sie überrascht, dass es nicht der Kaiser war, der ihr als erstes antwortete, sondern seine Gemahlin, die Kaiserin Kafrya, die an diesem Tage ihr schlicht geschmücktes beiges Priesterinnengewand als Schwester Mandelblüte trug. Sie erhob erst sich, dann ihre klare, helle Stimme und sagte:

„Es freut Uns zu hören, dass auch Borgon Dyl empfindet wie Wir, dass seine Heere gemeinsam mit den anderen Heeren des Kaiserreiches gemeinsam gegen die Finsternis ziehen sollten, um die von den Kreaturen und Heeren der Finsternis rund um das Grüne Meer ausgehenden Gefahren zu bekämpfen. Bei der Lichtliga ist Borgon Dyl, wie Quadrophenia und Karalo-Floran auch, dabei gewesen.“ Ihr Blick wandte sich dabei Aredis von Zalthin und Martyna von Belgaran zu, bevor sie, den Blick auf Rimjin n'Jalkhan gerichtet, fortfuhr: Quadrophenia stellte mit König Evrobyhb den ersten militärischen Leiter der Lichtliga unter dem Kaiser“, ihre Hand griff nach dem Arm des ruhig an ihrer Seite lauschenden Kaisers, „Borgon Dyl mit Shayol der Schwarzen folgte ihm in diesem Amt. Es wäre unser Wunsch, dass Borgon-Dyl wieder eine führende Rolle innerhalb der militärischen Bemühungen des Kaiserreiches einnehmen soll, so gewiss wie wir gemeinsam seine Bemühungen in der Grossen Ebene der Wagenvölker“, hier ein kurzer Blick auf den Kaiser, „unterstützen sollten, unterstützen müssen.“ Eine Geste an die Versammelten im Rat, ihre Unterstützung erbittend, dann, an Dog Adams gerichtet: „...falls es der Kaiserliche Rat so entscheidet, heisst das. Auch für den Handel zwischen Innerem Meer und Grünem Meer ist Sicherheit und erfolgreiches Kriegsende ja eine wesentliche Bedingung, nicht wahr?“ Mit einem Seitenblick auf die Vertreter von Ataris, Chnumia und Haldorn fügte sie hinzu: „Wir wollen den Segen des Göttervaters für Eure Bemühungen und alle Heere des Lichts im Umfeld von Karia erbitten, dass seine göttliche Stärke sie erfasse und gegen die Finstere Brut erfolgreich bestehen lasse!“ Dann setzte sich die Kaiserin, ohne noch einmal den Kaiser anzuschauen, und sah in die Runde wer als nächstes sprechen würde.

Eine weitere Frau erhob sich, eine strahlende Gestalt von solch schlanker und edler Eleganz die selbst elfische Schönheit deutlich übertraf, von so glänzendem Charme, dass die vorherige Sprecherin dagegen schlicht und fast bäuerlich wirkte, während die Männer der Runde an ihren Lippen hingen:

„Es ist in unserem Teil des Kaiserreiches, im Tal des Lebens, allen Weisen bewusst, dass der Dämonenfürst, der einst die Große Ebene verheerte, zurück kehren kann, gerade in einem Jahr das manche das Jahr der Alpträume nennen.“

Der weise alte Go-roordt, dessen arg gerunzelte Stirn schon kaum noch von seinen fliehenden weissgrauen Haaren umkränzt war, zuckte zusammen bei diesen Worten. Sein Gebiet war die Vorsicht, und er wäre wohl vorsichtshalber gerne sehr weit weg gewesen, bevor ein Dämonenfürst näher kam.

Sunrise von Sakilia fuhr fort, und wieder lauschten alle gebannt: „Kaum jemand im Kaiserreich – und, mit Verlaub, niemand in dieser Runde – weiss so gut wie ich oder ahnt auch nur wie Alpträume aus der Nähe aussehen. Glaubt mir – ich war in den Fängen der Riesenspinnen in der Wüste des Schnellen Todes, viele lange Monde während die Elfenkönigin nach mir suchte, ich habe das Wirken des Zzroth erlebt – ich weiss fürwahr was Alpträume sind.“

„Wenn der Zerstörer von Kyllene, in Antharlan gelegen, nicht in der Großen Ebene,“ und Phaedron Dhuras nickte, dies bestätigend, während die Elfenprinzessin fortfuhr, „tatsächlich wiederkehrt dann eher in diesem Jahr als in einem der nächsten. Und dann ist es angeraten, neben meinem Vater, dem Elfenkönig und Erzmagier des Kaiserreiches auch die Experten von damals sofern sie noch leben zusammen zu rufen, etwa den Dämonenjäger Jotun aus der Magierschule von Hermund. Sendet, oh Kaiser, noch heute eine Botschaft ihn zu rufen und bestellt ihn nach Chnums Freude. Dort, wo ein Treffen des Friedens einen der Anfänge dieses Kaiserreiches legte, sollten die kaiserlichen Kräfte sich für den Kampf gegen die Dämonenbrut sammeln.“

„Es ist an der Zeit“, fuhr sie fort, „auf etwas anderes hinzuweisen was manche am liebsten vergessen würden – auch mein Vater, der Elfenkönig selbst, vielleicht. Der Dämonenfürst hatte damals einen höchst magischen Stab, mit einem Splitter des Buches der Alpträume. Was er damit in diesem Jahr anstellen könnte kann ich nur ahnen. Es braucht Traumritter, den Orden der seit Äonen dieses Übel an der Wurzel bekämpft und in Banden hält, um dem zu begegnen. Auch die Traumritter sollen sich in Chnums Freude sammeln und soweit es euren Gebeten möglich ist“, hier wendete sich der Blick der Elfin auf Gerontius, Kelgan Aziz und zuletzt Schwester Mandelblüte, „auch mit Chnums Gnade dort eintreffen. Eure Chnumiten, General Livius, oder die besten von ihnen, sollten geprüft werden ob sie geeignet und gewillt sind, selbst Traumritter zu werden.“

„Wieviele Traumritter gibt es, die kommen könnten?“ war die Stimme Kaiser Bofris zu vernehmen. „Drei waren wir nur auf Karcanon“, lautete die Antwort, „und Chaireddin ist tot.“ Mit diesen Worten setzte sie sich und Schweigen trat ein.

Nach einer Weile, in der Einzelne sich flüsternd nur mit ihren Nachbarn oder Gefolgsleuten berieten, erhob sich der Graf von Zalthin und wandte sich an die Vertreterin Borgon Dyls:

„Im Ophis steht ebenso bei weitem nicht alles zum Besten, auch wenn mit dem Segen der Götter mancher Strauss gefochten und nicht jeder Kampf verloren wurde. Das uns im Bund der Blumen eng verbundene Reich Ligurien ist fast völlig dem Chaos anheim gefallen. Über den zum Teil in Ruinen liegenden einstigen Mauern der Hauptstadt Helagur wächst das Totenmoos, wie auch in Rhykor, der Hauptstadt Midligurs, wo Gaddos Traum zum Alptraum wurde – beide Hauptstädte sind gefallen. Weite Gebiete des Landes leiden unter den Monsterherden aus dem Bereich der WOLKE, der den Bereich Midlikors von Quadrophenia gänzlich trennt. Mit dem Segen des Donnerers, des Gottes der Stürme, ist es Quadrophenias Hohepriestern gelungen die letzten Wolken ins Blutige Band zu vertreiben, wo sie den Wilden aus Subarashi auf den Kopf fallen mögen. Die Monster aber bleiben, die Alpträume auch. Bakanasan hat einen Erfolg gegen die Heere der Burundi errungen, doch anderswo am Großen Wall des Letzten Kaisers fressen sie weiter.“

„Verzeiht uns also, Gräfin Rimjin, wenn Eure Gesandtschaft schon länger keine Rückmeldung gegeben hat. Quadrophenia führt Krieg gegen die Finsternis und uns um die schnellen Schiffe des Falken zu kümmern, die den Händlern der Maraniten Sorgen machen, mit denen die Botschaften und Nachrichten bisweilen reisen, fehlt uns die Kraft und die Zeit dabei.“

„Was weiterreichende Kämpfe des Bunds der Blumen gemeinsam und mit dem Kaiser und den hier versammelten Reichen angeht, so kann ich Euch verkünden, dass der Einsatz von Euch, General Livius, von uns mit großen Interesse verfolgt wird. Und mehr noch: Königin Nomi da Gekor hat gemeinsam mit Marlikar aus Ligurien beschlossen und befunden, dass wenn Ligurien von Euch befreit wurde, es fürderhin fester Teil des Kaiserreichs Karcanon sein soll.“

„Und wenn eines Tages, dem stimmte zögernd auch unser König Steq'ker von Tharan zu, die Grenzen des Kaiserreiches Karcanon bis an die Grenzen des Dschungelreiches Quadrophenia reichen, dann wird auch unser Reich sich dem gemeinsamen Bemühen für das Licht nicht mehr verschliessen und selbst Teil des Kaiserreiches werden, Euch Majestät, als Kaiser Karcanons anerkennen.“

Nicht nur die Kaiserin Kafrya von Erendyra und die Elfenprinzessin Sunrise von Sakilia sahen nach diesen Worten nachdenklich drein – auch die angesprochene Rimjin n'Jalkhan fragte sich ob und wann Mardon als Kriegsherr des Reiches seiner Königin ähnliches empfehlen würde – und Cassius Livius fragte sich wohl, ob Bakanasan selbst wieder zu Ehren eines Kaissereiches aufsteigen würde, oder wenigstens zu dem Reich, das endgültig den Kaiser zum Kaiser Karcanons machen könnte.

Damit endete der Kaiserliche Rat für diesen Mond.

Die Geschichte von Karcanon Bearbeiten

Die Geschichte von Karcanon ist in eine Reihe anderer Artikel ausgelagert worden. Die aktuelle Zeitgeschichte von Karcanon findet sich in den aktuellen Boten von Karcanon:

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.