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Magie in Taphanac Bearbeiten

-von Yawannyelei Vasmant, Gischog-Ran von Taphanac im Adlermond des Jahres 418 n.P.

„Musik ist Magie - ob sie nun von einem magisch begabten oder unbegabten Barden gemacht wird. Nicht Funkenregen und Effekte machen die Magie der Musik aus, sondern entrückte Gesichter und betörte Ohren; diese zu erzielen bedarf es keiner Zauberformeln und mystischen Zeichen, sondern einer ausgebildeten Stimme und flinker Finger an der Laute.“

(Yantawon Taslei, Jasly und Leiter des Hauses der Worte zu Taphan)

„Es ist mehr Zauber im Spiel des Sonnenlichts auf einem Blatt, als in jedem einzelnen Spruch eines verstaubten Kompendiums.“

(Ilandila, erste Druidin Yawannyes, ca. 200 n.P.)

Diese zwei Zitate verdeutlichen die taphanacsche Einstellung zum Thema Magie wahrscheinlich besser, als ich es in eigenen Worten vermöchte. Für die meisten Taphanacleiri sind Magie und Zauber Worte, um Erlebnisse und Zustände außergewöhnlicher Art oder Schönheit zu beschreiben, nicht Übernatürliches im engeren Sinne. Darauf deutet schon der Begriff, yasnoloch, der im Taphanacyan Magie bezeichnet. Dieser ist vom Ursprung her lediglich die höchste Steigerungsform des Artbenenners yasnol, der in der Allgemeinsprache mit ‘schön’ zu übersetzen ist.

So gesehen ist ein Sonnenuntergang über den Zinnen der Stadtmauer von Taphan ebenso magisch, ebenso „zauberhaft“ wie die Extase der körperlichen Liebe, der Anblick eines Rehs mit seinen Kitzen, oder der Gesang einer Maid beim Waschen, das soll natürlich nicht heißen, daß es in Taphanac keine ‘echte’ Magie gebe. Die Priesterinnen und Priester Yawannyes besitzen in aller Regel Kräfte, die über das ‘Normale’ hinausgehen - aber dies ist keine Vorbedingung oder zwangsläufige Begleiterscheinung des Priesteramtes. Ebenso gibt es Barden, die mit ihrem Spiel und Gesang mehr bewirken können, als Stimme und Fingerfertigkeit alleine dies vermöchten - aber auch das ist weder selbstverständlich oder erwartet, noch beschert es einem Barden automatisch größeren Ruhm als eine rein ‘weltliche’ Begabung. - Im Gegenteil: Yantawon selbst, der anerkannte Meister aller Barden in Taphanac, ist ohne die Große Laute, deren Hüter er ist, nicht in der Lage, mit seiner Kunst irgendwelche ‘magischen’ Effekte zu erzielen - sieht man davon ab, daß ich wohl niemanden kenne, der so viele verschiedene Emotionen in seinen Zuhörern zu erzeugen, wie er.

Ähnlich verhält es sich mit der Priesterschaft, die man nach dem allgemeinen Verständnis als Druiden bezeichnen würde. Der Gedanke, daß man mit bestimmten, vorgefertigten Gebetsformeln Yawannye dazu bewegen könne, bestimmte, vorgefertigte Zeichen zu wirken, erscheint uns als geradezu blasphemisch. Ist denn ein Gott oder eine Göttin nicht mehr als ein Artefakt, das man mit einer Formel aktiviert? Sind denn die Gaben, die die Welt dem Kundigen zur Verfügung stellt, um zum Beispiel Krankheiten zu lindem oder Wunden zu heilen, nicht reichhaltig genug? Gibt es nicht Pflanzen, die töten und Pflanzen, die heilen; solche, die wilde Tiere anziehen und solche, die sie vertreiben - sind nicht die Blätter des Gisch’gana sogar gegen Mörderbienen und Dämonen hilfreich? Wie vermessen ist es doch, zu meinen, man könne diese Gaben durch das Ableiem eines Spruches verbessern, ergänzen, gar vervollkommnen! Auch diejenigen, denen Yawannye so außergewöhnliche Begabungen verliehen hat, wie die Winde zu rufen (wie sie unser Maltyr besitzt), werden in den Tempeln dazu erzogen, sich nicht als bessere Taphanacleiri zu wähnen, sondern als mit einer Gabe - und daher mit einer Aufgabe - versehen zu begreifen.

Vielleicht liegt es an diesem, von Jugend auf in alle Kinder unseres Landes gelegten Selbstund Weltverständnis, daß die Zahl der ‘Magier’ im hergebrachten Sinn in Taphanac praktisch bei Null liegt. Den wenigen, die sich zu den Studien magischer Formeln berufen sehen, wird bald klar, daß die Gelegenheiten dafür anderswo wesentlich besser sind. So gibt es, Gerüchten zufolge, in Lutin einen kleinen Kreis von ausgewanderten Taphanacleiri, die sich dem Glauben an SEEKER verschrieben haben und nun in alten Büchern und Rollen nach verlorenem Wissen und verborgener Macht suchen. Zu bedauern sind sie, denn sie werden nichts finden, was ihnen nicht auf jeder Lichtung Taphanacs schneller, deutlicher und umfassender bewußt werden könnte. Allen, die sich in einer ähnlichen Versuchung befinden, rate ich daher dringend: Überlegt, was Ihr aufgebt, ehe Ihr die Liebkosung der Sonne und den Duft des Bodens gegen kalte Gewölbe und das Kratzen von Staub in Eurer Nase eintauscht - oder gar gegen die Einflüsterungen finsterer Entitäten. Der Wald und das Wasser, die Musik und das Gebet, geben Euch alles, was Ihr benötigt. Wer mehr erstrebt, als Yawannye ihm zugedacht, wird weniger erhalten, als ihm geschenkt worden wäre.


ftnmerfqinß von Äranta Salodlea, oberste ‘Bibliothekarin ‘TapHans und ‘Kopistin dieser Zeilen: Da ist wohl der ‘Bekehrunqseifer mit unserem ehrenwerten Qiscfoß-%an durchißeßanßen. ‘Ehe wir uns endgültig einen Ruf als verträumte ‘Waldverehrer erwerben, möchte ich bemerken, daß diese Meinung durchaus nicht die einziße in ‘Taphanac e?jstente ist ‘Vielmehrßibt es durchaus auch Taphanac (ein, die — obschon ebenso yawannyefiirchtiß wie ‘Vasmant — der Meinunß sind, daß zu den von ‘yawannye verliehenen Cjaben durchaus auch die ‘Einsicht in kosmische Zusammenhänße und die Macht der‘Worte und Kamen ßehören maß, und daß man diese, so sie einem verliehen worden ist, durchaus auch in Studium und Meditation verßrößem darf. ‘Wäre dem nicht so, dannßäbe es diese ‘ßeßabunßen nämlich ßar nicht erst. Daß ein Maßiestudium außerhalb der Tempel zwanßsläuf iß ein Zeichen von Überheblichkeit sei, ist — mit ‘Verlaub —fromme Dropaßanda, die in unseren modernen Zeiten nichts mehr zu suchen hat! Daher fordere ich alle prospektiven Maßier Taphanacs auf, ßenau dort zu bleiben, wo sie sind, sich (jleichßesonnene zu suchen und ihre Studien unbeirrt, fortzusetzen —ßeme auch in unserer hiesißen ‘Bibliothek^ wo sich entßcßen ‘Vasmants ‘Behauptunß so manches aufschlußreiche ‘Werf verberßen maß. Sonst bleiben wir, was wir für manche jetzt schon sein mäßen: Hinterwäldler!


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