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Aus einem Reisebericht:

Eingeschlossen zwischen steilen Felswänden liegt hinter der Grauen Pforte ein fruchtbares, weites Tal, die dem Fluß näher gelegenen Felder, so wurde mir berichtet, aber regelmäßig überschwemmt durch den wechselhaften Ruiji. Daher werden die reichen Gutshöfe meist weitab vom Strom auf niemals überspülten Hügeln, am linken Ufer auch auf Terassen am Fuß der steilen Abhänge der Sandsteinklippen der Moyta-Hochlande errichtet.
Auf der anderen Flußseite aber werfen die Ruika-Berge die meiste Zeit des Tages lange Schatten ins Tal, und als ob der Ruiiji ihren Schatten fürchten würde, hält er sich mit Ausnahme der ersten halben Meile meist eher auf der Moyta-Seite, wodurch dort über weite Strecken der nutzbare Landstreifen zwischen Fluß und Steilabhängen deutlich schmaler als auf der gegenüber liegenden Seite ist. Dafür bringt das Land der Moyta-Bauern aber bessere Frucht, da es häufiger und länger in der Sonne liegt. Eine weitere Einnahmequelle der Bewohner der Moyta-Seite stellt der harte Sandstein dar, der hier in verschiedenen Farben aus den Klippen gebrochen wird. Flußabwärts gilt bekanntermaßen der rote Sandstein aus dem Mitteltal als der beste, den man bekommen kann, und nur unsere reichsten und vermögendsten Adelsgeschlechter und Handelsherren können sich ihn leisten. Der graue ist wesentlich preisgünstiger – was, wie ich auf meiner Reise erfuhr, nicht nur daran liegt, dass er häufiger zu finden ist, sondern auch gefahrloser abzubauen, da die roten, härteren Lagen meist nur weit oben im Hang gebrochen werden können –, aber auch er hebt schon das Ansehen jedes Hausbesitzers. Zumal nur jede zweite Ladung den weiten und gefährlichen Weg den Fluß hinab schafft.
Die Ruika-Bauern dagegen halten auf ihren saftigen Wiesen im Schatten der Berge riesige Rinder- und Gosna-Herden. Der Mitteltalkäse ist hier an seinem Ursprungsort übrigens noch viel schmackhafter als nach der langen Reise auf dem Fluß bis Draskon, und die Auswahl an delikaten Wurst- und Fleischspezialitäten ist weitaus größer als uns bekannt. Daneben konkurrieren die Mitteltäler Bauern aber auch auf dem Ledermarkt mit den Ruikapie und Trang aus den flußabwärts gelegenen Ebenen – zwar sind die Mitteltal-Leder meist derber, dafür aber auch haltbarer. Es gibt allerdings im ganzen Mitteltal nur drei größere Gerbereien. Nur dort, wo es genug andere Wasserläufe gibt, so dass der Ruiji über wenigstens eine Meile nicht als Viehtränke benötigt wird, und wo stetiger Wind die stinkenden Dämpfe vom Dorf weg weht, haben einzelne Weiler diesem Gewerbe die Ansiedlung erlaubt.
Zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Landschaften – auf der einen Seite hauptsächlich Weiden, ein paar Streuobstwiesen und kleine Wäldchen, auf der anderen dicht an dicht Getreidefelder, Krautäcker und gelegentlich Obstgärten, folgten wir nun über mehrere Tage den Windungen des hin und her mäandernden Stroms. Wie mir der Kapitän berichtete, kommt es durchaus nicht selten vor, dass dieser im späten Frühjahr, wenn die flußnahen Niederungen nahezu alljährlich vom Hochwasser heimgesucht werden, seinen Lauf ändert und den Ruika-Bauern etwas Land nimmt, um es denen auf der Moyta-Seite zu geben, oder auch umgekehrt. Dieses Jahr aber, so beruhigte er mich, seien die Fahrwasser weitgehend unverändert geblieben.
Jetzt, zu Beginn des Hochsommers lag die Zeit der Hochwasser aber lange hinter uns. Eine sanfte, aber bestimmte Strömung trug uns durch das Tal, dessen einzige Verbindung zur Außenwelt eben dieser launische und wechselhafte Fluß ist. Die Berghänge zu beiden Seiten nämlich sind zu steil für jedes Maultier und erst recht jeden Wagen. Vielerorts hüllen von gewaltiger Höhe hinabstürzende Wasserfälle die hinter ihnen verborgenen Klippen in ewigen Dunst und Nebel. Gelegentlich werden die steilen Felsabhänge auch von engen und tief eingeschnittenen Schluchten unterbrochen, wo Wildbäche und Nebenflüße von den Bergen herabstürzen.

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