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Nadham te Lirrh - Aegyr

Der Geist eines einfachen Mistträgers, eines menschlichen Dieners, den Wang te Groove im Affekt getötet und seinen Tod als Unfall ohne seine Beteiligung getarnt hatte, wurde selbst als Aegyr Nadham te Lirrh wiedergeboren.

"Zwanzig Schritt weiter stand das Haus der Familie Lirrh. So nahe am Fluß wohnten die Aegyr, die es noch nicht zu großem Ansehen gebracht hatten. Der Geist öffnete das eisenbeschlagene Tor und betrat den nicht sehr großen Hof. Augenblicke später war er spurlos verschwunden. Aus dem Haus erklangen schrille, kurzatmige Schreie. Nie zuvor hatte der Knabe eine Frau so schreien hören. Eine dumpfe Männerstimme redete beruhigend auf sie ein. Egal was geschehen war, er mußte es wissen. Blindlings hastete er los und stieß beinahe mit dem schwarzhäutigen Diener zusammen, der das Haus verließ. Im ersten Moment schrie er entsetzt auf, weil er glaubte, dem Geist gegenüberzustehen, doch die Stimme, die auf ihn einredete, war menschlich. „Du kannst nicht hinein." - „Warum nicht? Was ist geschehen? Hat er...?" Entsetzliche Vorstellungen schnürten dem Knaben die Kehle zu. Das Kreischen der Frau ging durch Mark und Bein. Als würde ein Dämon aus ihr ausfahren! durchzuckte es ihn. „Komm!" sagte der Diener und zog ihn sanft mit sich. „Unsere Frau sieht ihrer Niederkunft entgegen. Es ist fast schon zu spät, um eine Heilkundige zu holen." - „Aber... der Mann, der Mistträger ..." Vor Erregung brachte er kaum noch ein Wort heraus. Der Diener verzog das Gesicht. „Ein Mistträger ist das letzte, was die Frau jetzt braucht." - „Er ist eben ins Haus . . . mit zwei Eimern. Ich habe ihn hineingehen sehen." „Du redest wirr. Verschwinde endlich. Da ist niemand außer der Frau und ihrer Magd." Nur ein leises, verhaltenes Wimmern war noch zu vernehmen. Augenblicke später wurde die Tür aufgerissen: „Du brauchst die Heilkundige nicht mehr zu rufen, Jorell, die Frau hat eben einen Sohn zur Welt gebracht." Der Knabe verstand, daß der Geist nicht gekommen war, sich zu rächen, sondern um wiedergeboren zu werden. Nur wunderte er sich darüber, womit der Mistträger es verdient hatte, als Aegyr geboren zu werden."
―Vision des Kalaun [Quelle]

Nadham war es auch, der unwissend und ohne Absicht dazu führte, dass das Rad des Schicksals eine ganze Drehung machte und den alten Aegyr Wang te Groove sein Schicksal doch noch einholte.

"Sieben Sommer zogen ins Land. Der (...) Sohn der Familie Lirrh entwuchs allmählich dem Kindesalter. Nadham war sein Name, das bedeutete Geistervogel. Nadham war anders als andere Aegyr in seinem Alter. Er sonderte sich ab und weilte mitunter tagelang bei seinen Tieren. Er liebte die schneeweißen Tauben, die er unter dem Dach seines Elternhauses hielt. (...) als Wang te Groove den schmalen Weg zu den Terrassen emporstieg. Vor Jahren schon waren hölzerne Geländer angebracht worden, um ein neues Unglück zu vermeiden. Nadham saß im oberen Stock seines Hauses und lauschte dem Gurren der Tauben, als plötzlich eine von ihnen aufflatterte und sich nahe dem alten Wang auf dem Geländer niederließ. Nadham rief vergeblich nach ihr, deshalb fürchtete er wohl, sie könnte ihm davonfliegen. Als er sich in seiner Verzweiflung nicht mehr anders zu helfen wußte, hob er eine Handvoll Steine auf und begann, nach dem Tier zu werfen. Aus Versehen traf er den greisen Wang. Der erschrak, glitt aus, und der noch immer halb gefüllte Wassersack auf seiner Schulter zerrte ihn über das Geländer in die Tiefe. Nicht ein Laut war zu vernehmen, als der Alte aufschlug und mit ausgestreckten Beinen liegenblieb. Der Inhalt des Wassersacks entleerte sich über ihn. Das Wasser, das er vom Ufer der Aegyser geholt hatte, schimmerte rot wie Blut. Für eine Weile war nur das Gurren der Tauben zu hören. Ohne einen Laut von sich zu geben, verschwand Nadham von dem Platz an dem er gesessen hatte."
―Vision des Kalaun [Quelle]
Segment: Yhllgord - Person: Nadham te Lirrh - Mythor-Fundort: My149/9-10
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