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Ronda Mythors Begleiterin zusammen mit Ilfa.

Siebenundzwanzig Sommer bevor sie Mythor das erste Mal küsste, wurde im Land Verdaqua, im Einflußbereich der Zaubermutter Zumbel, das Mädchen Ronda geboren. In ihrer Familie wurde nicht wie in den meisten Gebieten der Ophiswelt das Männliche verachtet. Sicher, Männer waren hier wie überall dazu da, die niederen Arbeiten zu verrichten. Doch sie wurden anerkannt, waren mehr als nur bessere Tiere. Ronda lernte wie viele ihrer Gefährtinnen schon als Kind, das Männliche zu achten, ihm Würde zuzugestehen. »Am Anfang standen Hexe und Krieger«, wurde den jungen Töchtern Vangas nahegebracht. »Wo immer neues Leben entstehen soll, müssen Frau und Mann sich zusammenfinden. Das Weibliche ist nichts ohne das Männliche, und das Männliche ist nichts ohne das Weibliche. Beides ist nötig, die Welt zu dem zu machen, was sie ist.«  Den jungen Töchtern Vangas wurde nicht bewußt, daß mit dieser Erkenntnis und mit dieser Lehre ein neues Zeitalter in Vanga anbrach. Die Welt befand sich im Umbruch. Der Morgen einer neuen Zeit, durch ALLUMEDDON hereingebrochen, fand im Grunde schon viel früher statt, in einem langsamen Vorgang der Umformung alter Sitten und Gebräuche.

Ronda wuchs inmitten dieser neuen geistigen Strömung heran und empfand sie als normal. Als sie achtzehn Lenze zählte, wurde sie von ihrer Mutter zur Amazonenschule Mesokut entsandt. Hier blühte sie auf, denn auch hier herrschte die neue Strömung vor. Sie lernte auch vordringlich alle Arten des bewaffneten und unbewaffneten Kampfes und wurde kaum weniger hart herangenommen als die jungen Mädchen und Frauen in den traditionsbewußten Amazonenschulen. In Mesokut jedoch lernte sie noch mehr.

Man lehrte sie neben dem Kampf und dem Überleben auch, ihren Lebensstil zu kultivieren. Die Absolventinnen von Mesokut wurden nicht zu polternden Radauweibern erzogen. Statt dessen vermittelte man ihnen, Anmut, Grazie und gepflegtes Äußeres mit dem Kriegshandwerk zu verbinden. In Mesokut reifte eine neue Generation von Amazonen heran, wie sie im Lauf der Jahre immer öfter in Vanga zu finden war. Den Amazonen, Hexen und Zaubermüttern alter Tradition war das gar nicht so geheuer, aber sie waren nicht in der Lage, einzugreifen und etwas dagegen zu unternehmen, da andere Sorgen sie bewegten. Von all den Dingen, die Hexen und Zaubermütter beschäftigten, von der hohen Politik, die die Welt bestimmte, bekam Ronda nicht viel mit. Aber bald schon sprach es sich mit der Geschwindigkeit von Gerüchten herum, daß Mythor aufgetaucht war, ein Mann, wie es ihn seit Caeryll nicht wieder gegeben hatte. Legenden wurden um ihn gerankt. Mythor, der Mann, der aus Gorgan kam. Mythor, der Mann, der wie eine Frau zu kämpfen vermochte, der es sogar wagte, der mächtigen Zaem zu trotzen. Mythor, der Fronja suchte und liebte, Fronja, die Erste Frau Vangas! Und sie war ihm ebenfalls zugeneigt.

Mehr noch - Mythor war der Mann, der aus Liebe zu Fronja in die Verbannung in die Hermexe ging, ausgeschleudert und gestoßen in die Schattenzone … und ein Sturm ging um die Ophiswelt: ein Mann war in der Lage, Liebe zu empfinden! Liebe, nicht nur Unterwürfigkeit. Er konnte lieben wie eine Frau, und aus seiner Liebe erwuchs Opferbereitschaft. Dieses erstaunliche Phänomen stärkte auch die neue Amazonenbewegung, die in den Männern mehr als nur bessere Arbeitstiere und notwendiges Mittel zur Fortpflanzung sahen.

Sein Erscheinen, seine Abenteuer und Kämpfe, sein Eingreifen in die Geschicke der Südwelt nahmen so weltweiten Einfluß auf die Denkweise der Amazonen, und auch manche Traditionalistinnen gerieten ins Nachdenken, wenn sie von ihm hörten. Schon bald wurde er, wie einst vor ihm Caeryll, zum Inbegriff DES MANNES, wie er in den Überlieferungen als Sohn des KRIEGERS GORGAN sein sollte. Man raunte auch von seiner Beziehung zu Ambe, jener Hexe von Gavanque, die den Krieg der Träume führte, um zur Zaubermutter Zambe zu werden, und die doch schließlich statt dessen Fronjas. Stelle als Erste Frau Vangas einnehmen sollte. Mythor und Ambe … Die Geschichte einer unerfüllbaren Liebe, und während die neue Generation die Romantik und Tragik sah, so sahen die Älteren weit mehr die Kraft dieses Mannes Mythor, der eine Hexe, die auf dem Weg war, eine Zaubermutter zu werden, in seinen Bann schlug. Wie viele andere Amazonenschülerinnen auch, wurde Ronda zu einer stillen Verehrerin Mythors. Was hätte sie nicht alles dafür gegeben, ihm einmal gegenüberzustehen, ihn sprechen zu hören, ihn kämpfen … oder lieben zu sehen. Doch diese Chance blieb ihr verwehrt. Mythor, DER MANN MYTHOR, verschwand in der Schattenzone. Und Ronda wurde zur Kriegerin. Doch ihre Mädchenträume von Mythor blieben. Und keine Hexe prophezeite ihr, unter welchen Umständen ihre Träume viel später in Erfüllung gehen sollten, jetzt als Kommandantin des Erkundungsschiffs Tauria … ALLUMEDDON kam.

Nicht Gorgan allein, sondern die ganze Welt war von dem Chaos betroffen. Doch in Vanga war es anders als in Gorgan. Dort überfluteten die Wassermassen das Land, rissen ganze Landstriche in den Strudel des Verderbens. Hier, in Vanga, sank der Meeresspiegel jedoch beträchtlich. Die unzähligen Inseln verbanden sich zu größeren Landmassen, und die Hexen raunten, die Wasser seien von Vanga nach Gorgan gegangen, um die Welt des Krieges zu verderben. Die Schattenzone wurde zerstört. Die schier undurchdringliche Barriere zwischen den beiden Welthälften bestand nicht mehr. Doch Teile der Schattenzone verstreuten sich über Vanga, wurden hier und dort sichtbar und übten ihren verderblichen Einfluß aus … Damit mußte man sich abfinden. Dankbar wurden die neuen, freigelegten Landmassen angenommen, und ganze Heere fleißiger Bauern, Männer - wie sollte es auch anders sein - bestellten die Felder, die mühsam fruchtbar gemacht wurden. Eines jedoch hatte sich nicht geändert: Noch immer waren die Zaubermütter in zwei Lager gespalten. Jene, die sich Zaem anschlossen, verlangten die rigorose Eroberung der Schwertwelt. Gorgan lag in den Zuckungen des Chaos. Das Land des Kriegers würde den geschulten Amazonenheeren keinen Widerstand entgegensetzen können. Das war Zaems Ziel: eine Vereinigung von Vanga und Gorgan unter vanganischer Alleinherrschaft.

Die anderen Zaubermütter unter der Leitung der gemäßigten Zahda strebten ebenfalls die Wiedervereinigung beider Welten an - jedoch gewaltlos, auf dem Weg der Freundschaft und des Friedens und der Kompromisse. Sie wollten die Vermählung der HEXE VANGA und des KRIEGERS GORGAN, mithin das Ende des ewigen Streites zwischen der Urmutter und dem Stammvater der Welt. Beide Seiten schickten nun ihre Erkunder aus, Wissen über Gorgan zu sammeln - die einen zum Erobern, die anderen zum Schlichten. Bald schon begann sich abzuzeichnen, daß Ronda mehr sein würde als eine einfache Kriegerin. In Mesokut erkannte man ihre Fähigkeiten und bereitete sie auf die Tätigkeit einer Luftschiffkommandantin vor. Nebenbei hörte sie munkeln, daß auf höherer Ebene bereits die angestrebte »Vermählung« von HEXE und KRIEGER vorbereitet werde; vor allem die neue Erste Frau von Vanga, Ambe, und die zurückgekehrte Fronja mit ihren Träumen, mit denen sie Ambe half, setzten sich für diese Art der Wiedervereinigung ein. Zaem sah dies den Gerüchten nach höchst ungern, man sagte ihr nach, daß sie diese Art Vereinigung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern trachtete. Doch was an diesen Erzählungen wahr war, vermochte Ronda nicht zu sagen. Sie war keine Eingeweihte.

ALLUMEDDON kam und ging. Zweieinhalb Sommer gingen ins Land, Zeiten des Wiederaufbaus und der Versuche, das Beste aus allem zu machen. Ronda vollendete ihre Ausbildung. Sie wurde die zweitbeste ihres Jahrgangs. Nur Lanta, die sich nicht einmal anstrengen mußte, war besser als sie. Bei keinem einzigen Kampfspiel gelang es Ronda, sie zu besiegen, und sie hoffte, ihr später einmal im ernsthaften Kampf gegenüberzustehen und nachzuholen, was ihr in Mesokut nicht gelang. Aus diesem Grund verlieh sie ihrem Seelenschwert, der längeren ihrer beiden Kampf klingen, den Namen Lanta. Mit dem Kommando über die Tauria erhielt sie nun den Auftrag, die Schwertwelt Gorgan zu erforschen. Ihre Bordhexe Betala bekam darüber hinaus noch einen weiteren Auftrag. Sie sollte in Gorgan nach den »Töchtern von Vanga« suchen. Darunter konnte Ronda sich nichts vorstellen; weder war sie sicher, einen übergeordneten Begriff darin zu sehen, noch bestimmte Personen. Aber wie sollten Töchter der Hexe Vanga ins Land des Kriegers gelangt sein? Nun, Betala selbst schwieg sich darüber aus. Sie tat überhaupt sehr geheimnisvoll, was ihren Auftrag und ihre Kräfte anging. Nur wenn es um Mythor ging, dann mischte sie sich in Rondas Angelegenheiten … .

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