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Sklaven und Sklavenhandel Der Handel mit Sklaven gilt auf Qassim zwar nicht unbedingt als verwerflich, er ist aber auch nicht gerade hoch angesehen. So betreibt ihn keines der Hohen Häuser systematisch, obwohl auch sie sich nicht zu schade sind, gelegentlich wertvolle Sklaven als Gegenleistung für ihre Waren anzunehmen. Als wertvoll gelten vor allem Sklaven, die besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten aufweisen können, ein spezielles Handwerk etwa, fremde Sprachen, besondere Kunstfertigkeit als Schreiber oder Kenntnisse magischer Art. Aber auch gutes Aussehen kann zum Wert eines Sklaven beitragen, der Handel mit solchen Sklaven mag aber dazu führen, daß in der Öffentlichkeit der Eindruck von Beziehungen zu Gewerben entsteht, mit denen die Hohen Häuser nach Möglichkeit nicht in Verbindung gebracht werden wollen - vielleicht sogar den Verdacht einer Verletzung des Sklavenstatuts erwecken.


Das Sklavenstatut Bearbeiten

Schon seit alters her gibt es in Qassim Sklaven und Sklavenmärkte, und ebenso gibt es seit alters her Regeln, Übereinkünfte, Traditionen zum Umgang mit Sklaven. Vor einigen Jahren hat der Rat diese in einem formellen Statut zusammengefaßt.

In diesem Statut wurde festgeschrieben, was der Status des Sklaven bedeutet, wie jemand zum Sklaven wird, welche Rechte und Pflichten Sklaven haben und schließlich, unter welchen Bedingungen ein Sklave wieder zu einem Freien werden kann.

Ohne hier auf die einzelnen, trockenen Paragraphen dieses umfangreichen Kodexes einzugehen, sind dabei wohl vor allem folgende Punkte hervorzuheben:

Versklavung Bearbeiten

Kein Mensch (und auch kein anderes intelligentes Wesen) ist von Geburt an Sklave. So werden alle Kinder als Freie geboren; werden sie innerhalb der Mauern Qassims geboren, so genießen sie automatisch Bürgerrecht, sobald sie das entsprechende Alter erreichen.[1]

Doch wer eine Schuld nicht bezahlen kann, kann durch einen Friedensrichter zum Sklaven seines Gläubigers erklärt werden; die meisten einheimischen Sklaven in Qassim haben ihren neuen Status so erlangt. Bürger haben zwar das Recht, beim Friedensrichter nochmals 6 Monate Aufschub - wobei ihre Schuld während dieser Zeit jeden Monat um ein Zwölftel anwächst - zu erwirken oder einen Vergleich, der ihnen erlaubt, einen Teil der Schuld in anderer Form als vom Gläubiger verlangt zu begleichen, doch auch sie sind nicht davor gefeit, zum Schuldsklaven erklärt zu werden.

Jeder kann aber nur für seine eigenen Schulden versklavt werden; einen anderen Freien zur Begleichung eigener Schulden in die Sklaverei zu geben, auch wenn dieser sich freiwillig dazu bereiterklärt, ist verboten. Ein Verstoß führt sowohl für den Schuldner als auch einen Gläubiger, der die Versklavung eines Dritten akzeptiert hat, zumindest zum Verlust der Bürgerrechte. Zudem werden die Schuldigen in aller Regel zur Zwangsarbeit für den Rat verurteilt.

Dies ist der zweite Weg in die Sklaverei: Bei einer Reihe von Verbrechen können die Richter die Schuldigen zur Zwangsarbeit für den Rat verurteilen. Dabei legen sie zu­gleich fest, ob der Rat die Delinquenten als Sklaven verkaufen darf. Ist dies nicht der Fall - wobei dann meist die Dauer der Zwangsarbeit zeitlich begrenzt wird - darf der Rat die Zwangsarbeiter nur für eigene Zwecke einsetzen oder an Bürger der Stadt wochenweise verpachten. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, Personen, die andere schwer geschädigt haben, zum Schadensersatz durch Sklavendienste zugunsten der Geschädigten zu verurteilen. Dies geschieht insbesondere dann, wenn jemand einen Unfall verursacht hat, durch den ein anderer zeitweise oder dauerhaft arbeitsunfähig oder gar getötet wurde; der Schuldige hat dann selbst dessen Arbeitskraft zu ersetzen, er wird zum Sklaven des Geschädigten bzw. dessen Erben. Bei besonderer Schwere der Schuld oder gar Vorsatz spricht man dann auch von einer durch den Sklavendienst abzutragenden "Blutschuld". Der Besitz der zu Sklavenarbeit Verurteilten geht an die nächsten Erben über; gibt es keine nahen Verwandten, so geht der Besitz in das Eigentum der Stadt über, die ihn dann binnen dreier Jahre zur Versteigerung auszuschreiben hat.

Die dritte Gruppe von Sklaven sind diejenigen, die aus dem Ausland "importiert" wurden, ob nun zum Verkauf auf den Qassimer Märkten oder als persönliche Bedienstete eines Bürgers oder eines Besuchers der Stadt. Diese bleiben Sklaven, auch wenn ihre Versklavung nach Qassimer Recht unrechtmäßig war; doch sie haben die gleichen Schutzrechte wie Sklaven aus Qassim.

Wer zum Sklaven wird, verliert - soweit er sie zuvor besaß - die Rechte eines Bürgers. Dazu gehören zum einen aktive als auch passive Wahlrechte, aber auch der Passierschein für die Innere Stadt. Das Recht, einen Friedensrichter anzurufen, wird auf die im Sklavenstatut ausdrücklich aufgeführten Fälle beschränkt, das Recht zur Blutrache entzogen. Sklaven können weder andere Sklaven, noch Schiffe, noch Grundbesitz wirksam erwerben, außer im Auftrag ihres Herrn. Der Sklavenstatus wird angezeigt durch einen aus drei Kettengliedern bestehenden Ohrring im linken Ohr. Gelegentlich wird stattdessen auch eine entsprechende Tätowierung auf der linken Halsseite angebracht; dies gilt aber als barbarisch und damit die Ehre des Domo, des Besitzers des Sklaven, herabsetzend. Tätowierungen werden deshalb in aller Regel nur eingesetzt, wenn das linke Ohr fehlt oder der Sklave wegen einer Blutschuld zur Zwangsarbeit verurteilt wurde. Ebenso gilt auch das tatsächliche Anketten von Sklaven grundsätzlich als barbarisch und eines Qassimer Bürgers nicht würdig. Versucht ein Sklave aber seinem Herrn und seiner Pflicht zu entfliehen, gilt ein solches Vorgehen zur Sicherung getätigter Investitionen zumindest im Wiederholungsfall als durchaus zulässig; allerdings müssen die Hand- oder Fußschellen gepolstert sein und die Ketten genügend Bewegungsspielraum bieten; sie dürfen keine Verletzungen verursachen.

Rechte und Pflichten Bearbeiten

Die zentrale Pflicht eines jeden Sklaven ist der Gehorsam gegenüber seinem Herrn, dem Domo. Er hat das eigene Wohl gegenüber der Erfüllung dieser Pflicht hintanzustellen; er sollte seinem Herrn gewissermaßen als verlängerter Arm dienen. Verletzt er diese Pflichten, so kann sein Herr ihn selbst bestrafen oder durch einen Friedensrichter eine Verurteilung erwirken.

Doch Sklaven haben auch Rechte. An erster Stelle steht dabei das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Ein Domo darf seine Sklaven nicht verstümmeln oder gar töten. Zwingt er sie, ihre Pflichten unter Umständen zu verrichten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen führen oder gefährdet er ihre Gesundheit grob fahrlässig oder gar vorsätzlich, so verstößt er damit gegen seine Sorgfaltspflicht und macht sich im Falle eines Falles sogar strafbar. Auch bei der Bestrafung eines Sklaven darf er ihn nicht ernsthaft verletzen.

Wird ein Sklave dennoch durch die Schuld oder Mitschuld seines Domo ernsthaft verletzt, so muß dieser den Sklaven oder dessen Erben entschädigen. Eine solche Schuldzahlung kann zwischen den beiden auch ohne Einschaltung eines Friedensrichters vereinbart werden; können sie sich nicht einigen, wird der Streitfall einem Friedensrichter vorgelegt, der dann für seine Mühen noch einmal ein Zwölftel der festgelegten Entschädigung vom Domo erhält. Der Friedensrichter kann unter einem breiten Spektrum von Entschädigungsformen auswählen, von einem Blutgeld über die Freilassung des Sklaven, gegebenenfalls auch eines oder mehrerer Familienangehörigen. Hat der Domo einen Sklaven vorsätzlich getötet, töten lassen oder sich in ähnlich schwerwiegender Form an ihm vergangen, so kann er sogar das Verhältnis zwischen Domo und Sklave umkehren: Der bisherige Domo wird zum Sklaven seines bisherigen Sklaven bzw. dessen Erben.

Etwas anders sieht es aus, wenn ein Dritter den Sklaven verletzt oder tötet. In diesem Fall gilt der Domo als Hauptgeschädigter. Wird ein Sklave etwa durch das fahrlässige Verhalten eines Dritten arbeitsunfähig oder getötet, so entsteht dadurch eine Schuld dieses Dritten gegenüber dem Domo in Höhe des Wertes des Sklaven, bei einer vorsätzlichen Tat in Höhe des doppelten Werts. Allerdings hat sich eingebürgert, daß der Domo dem Sklaven bzw. dessen Erben ein Sechstel der Entschädigungssumme überschreibt. Der Domo muß weiter für die Verpflegung des arbeitsunfähigen Sklaven aufkommen, ob er ihn freilässt oder nicht; er kann aber auf Übernahme der Verpflegungskosten durch den Schuldigen klagen.

Wird ein Sklave krank, so kann er nicht zur Arbeit gezwungen werden. Zur Fürsorgepflicht des Domo gehört auch die Bestellung und Bezahlung eines Heilers, wenn seine Sklaven einen solchen benötigen. Er kann den Heiler aber auch beauftragen, festzustellen und schriftlich zu bestätigen, zu welchen Arbeiten der Sklave trotz seiner Erkrankung eingesetzt werden kann und darf.

Auch wenn ein Sklave wegen Krankheit oder Alters dauerhaft nicht mehr voll arbeitsfähig ist, wird dadurch die Fürsorge- und Unterhaltspflicht des Domo nicht geschmälert. Lässt er einen kranken oder alten Sklaven frei, so muß er ebenso viele Tage weiter für ihn sorgen, wie dieser ihn seinen Diensten stand, außer ein Heiler bestätigt, daß der frühere Sklave ausreichend arbeitsfähig ist, um für sich selbst zu sorgen.

Eine wichtige Besonderheit des Qassimschen Sklavenkodex ist, daß sich die Befehlsgewalt des Domo nur über die Hälfte des Tags erstreckt. Arbeitet ein Sklave des Tags, so ist er in der Nacht frei, und umgekehrt. Allerdings kann der Domo auch für diese Zeit bestimmen, wo der Sklave sich aufhalten darf. Er kann ihn aber nicht zur Arbeit zwingen; arbeitet der Sklave in seiner freien Tageshälfte, so muß er dafür wie ein Taglöhner, jedoch nicht höher entlohnt werden. Damit eng verbunden ist das Recht des Sklaven auf Erwerb eigenen Vermögens. Ein Sklave kann zwar selbst keine Sklaven besitzen und auch keinen Grundbesitz erwerben, wohl kann er aber während seines Sklavendaseins erworbenes Geld, Vieh, Werkzeuge und so weiter sein eigen nennen. Dies ist natürlich auch eine wichtige Voraussetzung für einen eventuellen Freikauf (siehe unten).

So kann er auch für Dritte tätig werden, um sich etwas dazu zu verdienen; verletzt er dabei aber die Treuepflicht gegenüber seinem Domo, so verliert er alles: Durch den Spruch eines Friedensrichters kann das gesamte Vermögen des Sklaven abzüglich der Gerichtsgebühr in das Vermögen des Domo übergehen. In keinem Fall darf der Domo einen Sklaven zu sexuellen Dienstleistungen für sich oder andere zwingen; das frühere, absolute Verbot sexueller Beziehungen zwischen Sklaven und Freien ist mit dem neuen Statut zwar gelockert worden[2], gilt aber weiterhin für den dimdago esclava, wie die Tageshälfte genannt wird, in der der Sklave ganz dem Domo unterworfen ist; während des dimdago ripoza oder sendeva aber, der Tageshälfte also, über die der Sklave selbst verfügt, ist er beziehungsweise sie frei zu tun, was ihm oder ihr beliebt. Die Beibehaltung dieser Einschränkung war ein besonderes Anliegen der Priesterinnenschaft der Ischqa Aliza.

Freikauf Bearbeiten

Jeder Sklave hat grundsätzlich jederzeit das Recht, sich selbst freizukaufen. Der entsprechende Betrag bestimmt sich entweder nach dem jeweiligen Marktwert des Sklaven zuzüglich eines Zwölftels oder - bei Schuldsklaven - gegen Bezahlung der Schuld zuzüglich einem Zwölftel je vollem Jahr, das seit Fälligkeit der Schuld verstrichen ist. Welcher von beiden Beträgen - oder welcher zwischen diesen beiden liegende andere Betrag - bei einem Schuldsklaven anzuwenden ist, bestimmt der Domo. Wählt er den höheren beider Beträge und liegt dieser mehr als doppelt so hoch wie der andere, kann der Sklave einen Friedensrichter anrufen, damit dieser einen anderen Betrag festlege, der dann in der Regel in der Mitte zwischen beiden Summen liegt, aber auch höher angesetzt werden kann.

Bei zur Zwangsarbeit Veruteilten kann das Gericht bereits bei der Verurteilung besondere Regeln festlegen, etwa daß ein Freikauf erst nach einer gewissen Mindestfrist möglich ist, oder eine andere Berechnung des Betrags als die oben angebenen Varianten.

Auch ein Freikauf durch Dritte ist möglich; jedoch ist hier der Domo nicht verpflichtet, auf das Angebot einzugehen und kann auch andere Kaufsummen verlangen. Schließlich kann eine Freilassung auch ohne direkte Gegenleistung erfolgen; beliebt ist es, solche Freilassungen per Testament vorzunehmen. In dieser Form freigelassene Sklaven sind meist langjährige treue Diener, die Teil des Familienhaushalts des Domo geworden sind. Freilassungspapiere, die sich auf eine solche Freilassung beziehen, sind für ihren Inhaber eine hervorragende Referenz, da sie ihn als vertrauenswürdig, ehrlich und loyal erscheinen lassen.

Die Freilassungsurkunde ist ein sehr wichtiges Papier für entlassene Sklaven. Bezeugt von einem örtlichen Friedensrichter, hält sie nicht nur die Umstände der Freilassung fest, sie ist auch Voraussetzung für den (Wieder-)Erwerb der Bürgerrechte - aber auch "geringerer" Rechte: War ein Schuldsklave oder ein zur Sklavenarbeit Verdammter zum Zeitpunkt seiner Versklavung verheiratet, so kam die Versklavung rechtlich einer Scheidung gleich; unter Vorlage der Freilassungsurkunde können nun die früheren Partner die Scheidung durch eine gemeinsame Willensbezeugung wieder aufheben lassen, auf Wunsch auch rückwirkend. Vergleichbares gilt für im Rahmen der Versklavung aufgehobene Vormundschaften und ähnliches; verlorener bzw. vererbter Besitz kann jedoch nicht zurückgewonnen werden.


Anmerkungen

  1. Allerdings hat diese Regel einen kleinen Schönheitsfehler: Gibt es keine Verwandten, die für das Kind sorgen können, so muß der Besitzer der Eltern, im Zweifel der der Mutter, auch für das Kind sorgen - dadurch sammelt dieses aber Schulden bei ihm an und kann nach dem Erreichen des zwölften Lebensjahrs für diese Schulden selbst zum Sklaven erklärt werden.
  2. Das alte Gesetz besagte, kein Freier könne einem Sklaven beiwohnen und umgekehrt, so hätten die Götter beschlossen; kam es dennoch dazu, galt dies als Beweis, daß beide Sklaven sein müßten. Das Vermögen des vormals Freien ging an seine Erben bzw. den Staat; da das alte Gesetz hier keinen Unterschied zwischen erzwungenem und freiwilligem Beischlaf kannte, war dies auch ein beliebtes Mittel, lästige Erbtanten oder Mündel vorzeitig loszuwerden. Das neue Gesetz unterbindet solche Manipulationen ausdrücklich und sieht stattdessen die Versklavung des Anstifters vor.


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