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Der Tempel des ewigen Feuers Bearbeiten

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Tempel

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Bericht des Priesters Orag

Im Lauf des Siwan 413 nach Pondaron versammelten sich eine riesige Anzahl Wergols im Gebirge nahe dem Vulkan Carrock mit seiner unterirdischen Wergolfestung. Diese Vulkanansammlung, deren gewaltige Ausbrüche erst durch die Zauber des Arus im Jahr des Feuers hervorgerufen worden sind, neigte in den letzten Jahren immer wieder zu unkontrollierten Eruptionen. Mehrere Wergols waren schon durch die umherfliegenden Gesteinsbrocken bei unerwarteten Ausbrüchen von Nebenkratern ums Leben gekommen. Doch nun schien es, als ob der Hauptkegel, der riesige Carrock selbst, unter dem die Hauptteile der unterirdischen Anlage der Festungsbauten liegen, instabil zu werden drohte. Unterirdische Höhlen wurden von der aufsteigenden Lava gefüllt, ohne daß die ansässigen Seth-Priester in der Lage gewesen wären, dies zu verhindern. Auch verstärkte Opfer auf dem kleinen Altar des dortigen Tempels brachten keine Verbesserung. Folglich erfolgte der Hilferuf an die anderen Wergols, doch bitte Vorschläge zur Rettung der Festung und damit der dort ansässigen Clans und Stämme zu machen und diese möglichst schnell umzusetzen. Entgegen den Plänen des Worbast Wergolu wurde schnell von den Priestern gehandelt. Anstatt wie Vunderi es geplant hatte, erst in Therkat in Ruhe über die nötigen Schritte zu beraten, trafen sich die magisch begabten Wergols mit großem Anhang direkt auf dem bedrohten Gelände - ein Risiko, wie es Vunderi für so viele Wergols auf einmal niemals zugelassen hätte. Es trafen sich dort doch fast ein Gros Tausendschaften Wergols (150 000), darunter die begabtesten und erfahrensten in der Magie. Nach Ankunft der höchsten geistigen Führer der Wergols, dem Reichshohepriester des Seth und Bewahrer der Schwarzen Flamme am Blutigen Band, Gerenor, und dem Herrn über Hruggeks Mund, Hre Nor, begannen rasch die Vorbereitungen für ein ehrgeiziges Projekt: Der Gründung eines neuen Tempels für den Herrn über Feuer, für den Herrscher des Dunkelmonds, für Seth. Zunächst versuchte Hre Nor noch, einen gemeinsamen Tempel mit zusätzlicher Verehrung des Sethsohnes Hruggek nach Vorbild des von ihm geleiteten Tempels 'Hruggeks Mund' durchzusetzen, mußte aber dann feststellen, daß die Mehrzahl der anwesenden Wergols ihrem mystischen Stammvater kaum die Verehrung entgegenbrachten, die er ihm zollt. Im Gegenteil, er mußte feststellen, daß bei viel mehr Stämmen, als er dachte, die Verehrung weiterer Dämonen oder Hochkreaturen der Finsternis wie der Schlange Yhr praktiziert wird. Nachdem die wichtigsten Führer eine Art Hochrat gebildet hatten und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse austauschten, kristallisierte sich schnell die hohe Dringlichkeit heraus: Es würde kaum lange brauchen, bis der Vulkan mit verheerender Gewalt ausbrechen würde. Nach der ungefähren Beschreibung der Zauber durch den Wergolmagier Zer, die Arus wohl im Jahr des Feuers hier gewirkt hatte, kam man zu der Ansicht, daß die Gewalt, die der Ausbruch in sich birgt, wohl durch eine Art Kontrolle für 6 Jahre, der heiligen Zahl Seths, gebändigt worden war. Damit war mit der Zeit ein Problem entstanden, das in dieser Größe von keinem der anwesenden Priester, immerhin den höchsten Wergolosts, gelöst werden kann. Vom Herrn des schwarzen Feuers war ja bekanntlich weit und breit nichts zu sehen, er wäre wohl noch im Stande gewesen, das Problem zu beseitigen. Als einzigen Ausweg sah man also den Bau eines großen Tempels an, durch den die Energie des Feuers kanalisiert und zum Ruhme Seths benutzt werden können.

Am letzten Tag des Siwan begannen die Vorbereitungen. Es wurde wie vorgeschrieben 6 Tage gefastet, um den Geist und den Körper zu klären und zu öffnen für die bevorstehenden Rituale und Zauber. In dieser Zeit untersuchten kundige Wergols, unter die sich mittlerweile auch die Feuerteufel gesellten, die Höhlen und Spalten unter dem Zentralteil des Gebirges, vor allem natürlich die der wenigen Vulkane der Gegend. Nach Auswahl einiger Stellen legten Hre Nor und Gerenor den geeigneten Platz in einer großen Höhle etwa tausend Wergolhöhen unter der Erde fest. Für diese Höhle hatte vor allem Gerenor gesprochen, da in erreichbarer Nähe ein großes Wasserreservoir mit einem Tropfsteinsee lag. Was er allerdings damit plante, gab er nicht preis. Auch dieser Platz lag, wie alle anderen der engeren Auswahl, sehr tief und nahe den warmen Strömen unter dem Gestein. In den folgenden Tagen wurde der Raum weiter vergrößert, die Zugänge erweitert und gesichert und vor allem ein tiefer Schacht nach unten bis fast zu den Lavaschichten gegraben. Dieser Schacht wurde mit einer Flüssigkeit eingestrichen, die die Priester aus dem Blut von mehreren Opfern, aus Ölen und Harzen sowie weiteren Beigaben herstellten, über deren Zusammensetzung mir nichts bekannt ist, obwohl mein Rang dazu berechtigen müßte. Die Überreste der Opfer selbst, zum Teil Wergols, die sich freiwillig gemeldet hatten, zum größten Teil verschleppte Menschen, wurden an großen Haken in den Schacht gehängt, nachdem auch sie mit der zähen Flüsssigket eingestrichen worden waren. Unter ihnen war auch Eburon, der große Arenakämpfer aus Therkat, dessen glanzvolle Karriere mit der schmählichen Aufgabe gegen den Eisernen Mann jäh geendet hatte. Ihn hatten die Priester wohl heimlich aus den Kämpfertrakten unter Therkat entführt. Am 6. Tammus, dem heiligen Tag des Feuers, versammelten sich die Priester und alle weiteren Teilnehmer der Zeremonie am Vulkan, soweit es möglich war, im unterirdischen Raum, der später das Allerheiligste werden sollte. Aber auch die Hänge des Vulkans waren ebenso wie in der Nähe gelegene Höhlen besetzt, dies belegt deutlich die große Zahl der Versammelten. In den vordersten Reihen nahmen die Freiwilligen Platz, deren Körper und Geist die heilige Flamme entzünden und nähren sollte. Der erste der Freiwilligen, ein alter, grauhaariger Hruggek-Priester von ehrfurchtsgebietender Gestalt, wurde über dem Schacht festgeschnallt. Er sprach die rituellen Wort 'Aus Feuer bin ich entstanden, als Feuer werde ich enden, für Seth“, dann begannen die anwesenden Priester, sich auf ihn zu konzentrieren. Nun wogte die Magie spürbar durch den Raum, immer heißer wurde der Körper des alten Priesters. Bald entzündete die Kraft der Magie die harzige Substanz, mit der der Wergol gesalbt war. Kein Ton kam von seinen Lippen, würde er doch bald ein Mitglied der Heerscharen sein, die sein Gott auf dem Dunkelmond rüstet. Als die Hitze für die ihm nahe Stehenden unerträglich wurde, schmolz endlich das Metall der ihn haltenden Ketten. Lautlos sackte er in den Schacht. Es war ein sehr gutes Omen, alle 4 Ketten lösten sich zeitgleich auf - der alte Priester mußte dies mit der letzten Magie selbst beeinflußt haben, die ihm noch geblieben war. Noch während er fiel und an einigen Stellen den Schacht entzündete, an denen weitere Kadaver oder das Harz angebracht war, wurde der nächste Priester angekettet. Der halblaute Gesang der sich nach wie vor konzentrierenden Priester schwoll kaum merklich, aber stetig an. Opfer für Opfer wurde festgemacht, entzündet und fiel. Nach und nach brannte der Schacht an allen Stellen, entzündet durch die fallenden Körper. Einige hatten ihren Schmerz bei weitem nicht so gut unter Kontrolle wie der erste Priester, keiner jedoch versuchte sich zu befreien. Auch dies war ein gutes Omen. Die Priester verlagerten jetzt ihre Konzentration an den Fuß des Schachtes, der mittlerweile hoch lodernd in Flammen stand.. Dort unten hatte sich ein Klumpen aus Toten, Sterbenden und Feuer gebildet, der sich jetzt bis zur Lava durchbrennen sollte. Unterstützt von der Kraft der Magie der Priester und dem Willen der Opfer brannte sich der Klumpen Schritt um Schritt durch das verbliebene Gestein. Sobald die Lavaschicht Myras erreicht würde, verschmelzen die Lebenden und Toten zu einem Ball gänzlicher Schwärze, dem ewigen Mahnmal der Macht Seths, dessen Flamme dann bis zum Altar hochsteigen sollte. Dann wäre die Weihe vollzogen, wenn auch die folgenden Zeremonien noch Monate dauern mochten. Plötzlich stockte das Ritual, in den Gesang mischten sich Mißtöne, die Masse am Schachtende kam nicht weiter voran. Die Priester verstärkten ihre Anstrengungen, übten weiteren Druck aus, vergeblich. Schon fiel ein Adept in Ohnmacht. Unruhig blickt Hre Nor zum Bewahrer der Schwarzen Flamme hinüber, dieser jedoch schaut konzentriert auf den Schachtrand, wo gerade der nächste Priester nach unten fällt. Doch auch dies hilft nicht weiter. Malvhiscor, am Blutigen Band einer der aufstrebenden Unterpriester des Gerenor und designierter Leiter des neuen Tempels, steht auf und geht zum Schachtrand, wo die Gehilfen gerade den nächsten Freiwillen einharzen. Die Anspannung steht ihm ins Gesicht geschrieben, weiß er doch genau, daß bei einem Scheitern des Rituals kein Tempel gegründet werden wird. Ruhig schaut Gerenor auf seinen bisherigen Schüler. Sein Tempel soll es werden, er muß die Probleme selbst lösen. Vom Herrn der Schwarzen Flamme hat er keine weitere Hilfe zu erwarten. Er geht zu dem großen Kessel, der die brennbare Flüssigkeit enthält. Schon befürchtet Gerenor, er würde einfach den Kessel in den Schacht abkippen, um so die Kraft des Feuers zu erhöhen, doch der noch verhältnismäßig junge Wergol taucht mit gemessenen Bewegungen langsam die Arme in den Kessel hinab. Gelassen verteilt er die Masse auf seinem Körper in den Haaren und springt mit einem Satz in den Schacht, die entsetzten Blicke seiner zukünftigen Untergebenen nicht bemerkend. Nicht einmal die rituellen Worte spricht er aus. Kurz scheint die Konzentration gebrochen, doch dann nimmt die Zeremonie ihren weiteren Lauf. Und durch dieses Opfer scheint das Stocken gebannt zu sein, nach kurzer Zeit wird die Lavaschicht erreicht und der schwarze Rauch steigt empor. Gerenor starrt vor sich auf den Boden, als sich der beschwörende Gesang des Rituals in den Jubel über den aufsteigenden schwarzen Rauch verwandelt. Nicht so richtig kann er sich freuen, hat er doch einen seiner besten Schüler in den Tod gehen sehen. Damit stellt sich erneut das Problem des neuen Leiters dieses Tempels - und ob er sich noch einmal gegen Hre Nor durchsetzen kann, wer weiß? Doch die Entscheidung muß schnell fallen, jetzt steht unmittelbar die Weihe des neuen Hohepriesters bevor, er sollte also schnell festgelegt werden. Gerenor schaut den grauhaarigen Wergol neben sich an, doch auch Hre Nor scheint in Gedanken versunken. Einen Platz weiter jedoch sitzt Zer, dessen Kräfte und deren Wirken Gerenor besonders beim kritischen Anhalten der Masse bemerkt hat. Er wird diesen Magier jedenfalls nicht mehr unterschätzen. Auch dieser scheint sich zu konzentrieren, aber auf einmal leuchten seine Augen. Er hebt den Blick zu Gerenor und sagt: "Warte noch kurz. Der Leiter wird gleich ankommen." Nur sein Alter und die Würde seiner Position können Gerenor davon abhalten, dem Magier doch noch ans Fell zu gehen. Welch Unverschämtheit! Die Bestimmung des Nachfolgers von Malvhiscor ist einzig seine Aufgabe als Reichshohepriester des Seth, außer dem Herrn von Hruggeks Mund hat niemand sich da einzumischen. Und dann behauptet dieser alte Magier, der neue Leiter stände schon fest. Während er in Gedanken noch an der scharfen Zurechtweisung für den Magier herumfeilt, bemerkt er auch dieses Gefühl der Anwesenheit einer weiteren Macht des Feuers. Schnell hat er die Quelle geortet, sie muß im Schacht nahe der Kante sein.

Dieses Gefühl scheint auch andere ergriffen zu haben, immer mehr Wergols starren gebannt auf die Öffnung des Schachts. Langsam erscheint eine schwarze, vierfingrige Hand aus dem Schacht, hält sich an einer der Kettenreste fest und zieht sich hoch. Kein Laut ist zu hören, als die versammelten Wergols die verbrannte, deformierte Gestalt des Malvhiscor erkennen. Auf der Brust liegt verbranntes Fleisch offen, der linke Fuß fehlt, kaum daß der Wergol noch auf dem Stumpf stehen kann. Doch Gerenor sieht nur die roten Augen, aus denen Erfahrung spricht, wie sie andere in Jahrzehnten des Studiums nicht machen. So kann dann Gerenor nicht anders, als dem fast im Befehlston gesprochenen Satz " Setze mich nun in meinen Tempel ein, Gerenor!" schnell nachzukommen.
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