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Thaladee ist ein lange vergangenes Königreich auf einer Insel Kiombaels.

Dem König eine Grube voll Staub Bearbeiten

- Die Königsgräber von Thaladee -

Stets war es höchstes Streben der Menschen in Thaladee ihre Körper nach dem Tode unversehrt zu erhalten, so dass ihre Seele stets ein angemessenes Heim habe. Denn das war der Glaube dieses Volkes: Nach dem Tode würde die Seele der Verstorbene die Welt nicht verlassen, sondern frei in Horcans Seelenstürmen wehen. Wenn aber die Nachkommen der Toten Not leiden, dann nimmt sie Wohnung im durch alchemistische Prozeduren bewahrten Körper um so den Lebenden beizustehen.

Wundersame Berichte sind aufgezeichnet von diesen Helfern: Wie einer in einer Feuersbrunst das Dach der Hütte stützten um den Nachkommen die Flucht zu ermöglichen. Wie einer in einer Hungersnot den Acker pflügte und plötzlich grüne Halme sprossen. Wie die Ahnen des Königs sich an dessen Seite erhoben, um das Reich gegen die Feinde aus dem Ophis zu verteidigen.

Das einfache Volk, die Bauern und Handwerker rieben ihre Toten mit Salz ein und ließen sie in der Sonne trocknen. So konserviert wurden sie unter dem Altar des Hauses begraben, als Helfer für die Nachfahren in Momenten großer Not. Wenige Krüge Wein, ein gutes Gewand und ein Handwerkszeug oder etwas Schmuck mussten ihnen als Grabbeigabe genügen.

Die Adeligen bauten ihnen eigene Türme neben ihren Burgen, denn ihre Gaben waren wertvoll, edle Kleidung, Gold und Juwelen, kostbare Waffen, verzierter Hausrat. Schätze, die manchen Menschen versuchten die Totenruhe zu stören und die Toten zu berauben. Thaladee kannte kein verabscheuungswürdigeres Verbrechen, doch es kannte auch die Habgier der Menschen und manch ein Turm wurde geplündert, manch würdiger Ahn in den Staub gestoßen und seine Kinder blieben ohne seinen Schutz zurück.

Mit unvergleichlichem Prunk wurden die Könige von Thaladee bestattet und stets war es erstes Ansinnen des neuen Königs seinem Vorgänger eine würdige Begräbnisstätte zu schaffen. In den frühen Tagen des Reiches wurden den Toten Paläste gebaut, weithin sichtbar und prächtig. Doch in seiner Geschichte von Jahrhunderten kannte Thaladee zahllose Könige und erbaute mehr Totenpaläste, als sicher bewacht werden konnten. Tatsächlich sollen sich sogar die Wächter der Toten am Diebstahl beteiligt haben.

Später baute man den Toten Festungen auf hohem Fels, mit meterdicken Mauern, weithin sichtbar und uneinnehmbar, bewacht von wenigen, treuen Kriegern. Doch die Räuber gruben heimlich Gänge unter die Felsen und erschlugen die Wächter der Könige und trugen das Gold aus den Hallen.

In den letzten Jahren des Reiches grub man den Königen Schächte inmitten der Wüste, quadratische Löcher, Dutzende Schritte im Geviert, viele Dutzend Schritte tief. Die senkrechten Wände schmückte man mit Steinmetzkunst, so dass ein prachtvoller Hof entstand, ein würdiger Eingang. Daran schlossen sich Hallen an welche dem Herrscher nach seinem Tode allen Luxus boten, Bäder und Schlafkammern zu seiner Erholung, Bibliotheken und Schreibstuben, dass er auch nach seinem Ableben Regierungsgeschäfte führen kann und vor allem Kammern mit allen Schätzen Thaladees, das er allen Luxus genießen konnte, den er gewohnt war.

Um aber diese Totenpaläste für alle Zeiten sicher zu bewahren legte man sie inmitten der Staubwüste an. War der Leichnam des Königs zur Ruhe gebettet blies der Wind Horcans den Staub der Wüste in den Zugangsschacht und füllte ihn bald auf. Schließlich bedeckten die Winde Horcans alle Spuren des Grabes, das nun für Ewigkeiten vor der Habgier der Menschen sicher war.

Es sei denn, ein Böser Wind des Anrash wehte den Staub unglücklich auf, so dass der Schacht oder gar der Zugang zu den inneren Kammern freigelegt wurde. Kündigten die Nebel und der Wind vom Oklis von der Macht des Anrash griffen die Grabräuber nach ihren Schaufeln um in der Staubwüste die Königsgräber zu suchen. Die feuchten Nebel banden den Staub und Anrash Wind blies die Grabschächte frei. Wenn das Wetter nur lange genug anhalten würde, könnte man vielleicht einen Schacht finden, drinnen eine Grube anlegen, schnell und tief genug. Mit der Gnade von Anrash würde man einen Tunnel finden, der ins Innere des Grabes führte, ihn vielleicht weit genug aufgraben um an die Schatzkammern zu gelangen....

Sechzig Stunden, besser sechs Tage würden genügen...

Doch noch immer hat Horcan gnädig den staubigen Mantel über die Toten Könige gebreitet, blies Staubwolke um Staubwolke in die Schächte und begrub die Störer der Totenruhe neben ihren Opfern. Bis heute ist kein Schachtgrab geplündert worden, sicher ruhen die letzten Könige von Thaladee.
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