Vrenschild ist eine Grafschaft, ein Adelsland des Silurischen Kleinadels im Gebirgsland Morossos auf der Insel Silur. König Ragall von Silur verlieh es im Jahre 430 n.P. an Prinz Berendor von Karcanon, der dadurch sein Lehensnehmer wurde, zugleich aber auch eine Herrschaft und ein Einkommen außerhalb der Abhängigkeiten des Hofes in der Kaiserstadt Chalkis erlangte. Im Jahre 442 n.P. besucht Berendor in Begleitung des Magiers und Talelfenkönigs Katuum von Taron don Umn, von Irene Sedrin Weideglück, der geflügelte Elfe und einer Gruppe Traumritter unter Cylios Esbilar erstmals seine Grafschaft, die ihm aus diesem Anlass huldigt.
Die Huldigung[]
Die Gruppe erreicht Bresos, das Dorf der Grafschaft Vrenschild. Die adeligen Besucher werden erwartet. Jeder Haushalt hat eine beige und blaue Fahne ausgehängt, die Bauern stehen in ihren besten Kleidern, ebenfalls in beige und blau vor den Türen und verneigen sich so tief sie es vermögen vor Berendor, ihrem Grafen und designierten Kaiser Karcanons.
Morossos ist ein Amonsolunda, eine Krongemeinschaft, die dem König Silurs eigen ist und aus der er Gebiete herauslösen kann, um sie als Lehen zu vergeben. Kronprinz Berendor hat daraus die Grafschaft Vrenschild von Ragall, seinerzeit noch König von Silur als Geschenk zu seinem zwölften Geburtstag erhalten. Tatsächlich ist sie, wie alle Adelsländer Silurs nur ein winziges Gebiet, ein Teil des Breetales mit Wäldern und Weiden, dem Dorf Bresos mit einer Walkmühle, der Werkstatt eines Wagners, dem Tempel der Göttin Dena und schließlich dem Silurische Haus, der Residenz der Vogtin.
Mit dem sicheren Blick eines Adeligen erkennt Berendor, dass seine Grafschaft wohl verwaltet ist. Aknes Galba, die ihm von Ragall als Vogtin empfohlen wurde ist offenbar eine ausgezeichnete Wahl. Die Häuser sind proper, die Bauern und das Vieh gesund, ein Murengang auf einem fernen Hang befindet sich in Aufforstung.
Seinem Zug schließen sich alle Untertanen, vom Greis bis zu den kleinsten Kindern auf den Armen ihrer Eltern an. Schließlich ist der Dorfplatz erreicht. Herab aus dem auf einer Anhöhe gelegenen Silurischen Haus, traditioneller Wohnsitz des Inseladels kommen seine Reisigen, angeführt von der Vogtin, aus dem Tempel der Dena tritt der Priester der Gemeinde. Zur Bequemlichkeit von Prinz Berendor, der hier Graf von Vrenschild ist wird ein gepolsterter und geschmückter Stuhl herangetragen.
Wie es das Silurische Recht beim ersten Einzug eines Adeligen in sein Adelsland vorsieht huldigen ihm seine Untertanen, schwören Gefolgschaft und Treue. Leven Clockwell, der Priester der Dena bittet zu Beginn um den Segen der Göttin des Heimes für alle anwesenden. Anschließend predigt er über einen Spruch eines Mundes Denas, überliefert im Tar- Eim- Krang, dem heiligen Buch der Religion des Volkes Silur: „Dena sagt - Bei meinem Aufbruch habe ich jedem einen Besen aus der Kammer geholt, aber nur einen Sessel und nur einen Schemel aufgestellt. Wenn ich mein Haus betrete, ist Staub in jedem Besen?“ In Silur wird der Adelsstand mit seinen Privilegien weithin akzeptiert, doch die Privilegien wollen verdient sein. Tradition und Erbe alleine rechtfertigen in Silur keine Herrschaft.
Graf Berendor erhebt sich aus seinem Sessel. Vor ihm kniet zunächst Leven Clockwell, der Priester nieder um Gefolgschaft und Treue zu beeiden. Der Schwur von Aknes Galba, der Vogtin, die als zweite vor ihm kniet beinhaltet neben Treue und Gefolgschaft auch rechtes Wirtschaften, ist sie dem Grafen doch zusätzlich als Verwalterin seiner Güter verpflichtet. Dann huldigt das ganze Dorf, Bäuerinnen und Bauern, die Müllerin und der Wagner und alle Familienangehörigen, verspricht seinem Herren gemeinsam Gefolgschaft und Treue. Wie es vom Landesherren verlangt wird verspricht Graf Berendor, der zuvor von Cylios Esbilar über das Ritual unterrichte worden ist die verbrieften und gewohnten Rechte seiner Untertanen zu achten und ruft, wie es von ihm nach der Huldigung erwartet wird einen Festtag aus, an dem er Jedermensch frei halten will. Im Gegenzug gewährt ihm seine Grafschaft, ebenso den Erwartungen folgend eine Sondersteuer um die Kosten der Huldigung zu begleichen. Prinz Berendor führt König Katuum, Cylios Esbilar mit den Traumrittern und Aknes Galba samt den Reisigen hoch zum Silurischen Haus, das seit 12 Jahren das seine ist und das er heute das erste mal betritt.
Berendor berichtet: „König Ragall von Silur hat mir die traditionellen Residenzen des Silurischen Adels beschrieben: Ein festes Haus mit dicken Mauern, Schießscharten, einem hochgelegenen Eingang und einer Wehrplattform auf dem Dach, als Bauform etabliert in den konfliktreichen Jahren des dritten Jahrhunderts nach Pondaron, wohl geeignet dem Heerbann eines adeligen Rivalen, einem Kriegshaufen der Freien Familien, plündernden Piraten oder streunenden Monstern zu widerstehen. Mit Vorratsräumen und Küche im Erdgeschoss, mit einer Halle im Obergeschoss, zugleich Speise- und Festsaal, Tempel des Chnum und Schlafplatz der Reisigen und mit Kammern für die Adelsfamilie darüber vereint so ein Silurisches Haus viele Funktionen und ist zugleich hoch aufragendes Symbol der Adelsherrschaft.“
„Ich habe dieses Haus gemeinsam mit dem architekturbegeisterteten Ragall gezeichnet. Wir haben die Bauform kriegerischer Jahrhunderte in die Gegenwart transformiert, mit Silurischen Fenstern statt Schießscharten um Licht in die Mauern zu lassen, mit einer Treppe zum Eingang im ersten Stockwerk statt einer einziehbaren Leiter und mit einem Satteldach mit Kammern für die Reisigen statt einer nicht mehr benötigten Wehrplattform.“
„Auch wenn ich sie heute das erste mal betrete kenne ich meine Grafschaft gut. Ragall hat mir jedes Halbjahr die Berichte von Aknes Galba vorgelegt und mir die Steuern vorgerechnet. Er übergab mir die Verantwortung für Vrenschild, und auch wenn er Anregungen gab war es doch stets an mir zu entscheiden. Mit Vrenschild habe ich ein Einkommen, unabhängig von meinen Eltern, auch wenn ich den große Teil wieder in die Pflege Vrenschilds investiert habe. Mit Vrenschild bin ich ein freier Mann.“
Es ist spät für die Frohkost, dem in einen Gottesdienst des Chnum eingebundenen festlichen Morgenmahl des Silurischen Adels. Dennoch lässt Prinz Berendor die Läden des Erkers mit dem Altar des Göttervaters öffnen um ihm als Spender der Ernten zu Danken und seinen Segen für das Mahl, den Tag, die Grafschaft und das Kaiserreich zu erbitten. Jeder adelige Hausvorstand Silurs ist Priester des Chnum. „Ja svose - Ja, das ist wahr“ bekräftigt die Hausgemeinde sein Gebet.
Sehre lagom, satt und leisis, den Hunger und den Durst aufs angenehmste gestillt, bei Khavia, dem aus Malz zubereiteten Heißgetränk und Arram, dem aus Süßgras destillierten Schnaps erzählt Vogtin Galba von den Ereignissen in Vrenschild, einer kleinen Welt für sich, einem Idyll, so will es Berendor scheinen und doch Teil des gewaltigen Reiches, das er einst erben soll. Erneut wird ihm bewusst, dass dies die Menschen sind, für die er Kaiser sein muss.
Entsprechend dem silurischen Brauch begleitet er anderntags mit der Vogtin und vielen Einwohnern Vrenschilds die Druiden der angrenzenden Wildländer auf dem Grenzgang, bei dem die Grenzen zwischen Nutzland und Wildland gemeinsam abgeschritten werden und bei dem sich die Druiden des Wildlandes und die Besitzer des Nutzlandes gegenseitig versichern, sie nur einvernehmlich und gemeinsam zu ändern. Der traditionelle Termin des Grenzganges ist der Erste des Katzenmondes, doch dieses Jahr hat man in Vrenschild den Besuch Berendors abgewartet.
Das Freihalten, Festmahl und Festtag zur Feier der Huldigung beendet seinen Besuch in Vrenschild. Er verlässt das geschmückte Dorf und seine Einwohner, die er herzlich liebgewonnen hat um auf dem Weg gen Talausgang hinab zum Savretal und in die Silurischen Hauptstadt Belfalas zu reisen.
- Die Grafschaft Vrenschild, beschrieben von Arvesta Borlinga, Pal- da- Echorsa der Kulturkammer Silurs, Belfalas, 445 n.P.
- Myra-Fundort: Berendors Reisen, auf Wattpad