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Wang te Groove - Aegyr

Ein alter Aegyr, der zu Zeiten als Kalaun noch ein kleiner Junge war, bereits an den Ufern der Aegyser seine Mondblumen hütete, die ihm relative Unsterblichkeit verliehen. Ein Unfall mit Todesfolge wurde von ihm vertuscht, womit er sich auf die Seite des Unrechts stellte.

"Das Geräusch leiser, schlurfender Schritte schreckte ihn aus seinen Überlegungen auf. Das mußte der alte Wang te Groove sein, der den steinigen Weg vom Ufer heraufkam, um seine prächtig gedeihenden Mondblumen zu gießen. (...) Der Knabe bewunderte den alten Aegyr, den schon der Vater seines Vaters gekannt hatte. Der weißhaarige Wang schleppte einen prall gefüllten Wassersack - ein Gewicht, das selbst jüngere in die Knie gezwungen hätte. Als er das Wasser versprüht hatte und wieder zum Fluß zurückwollte, kam ein Mistträger die ausgetretenen, engen Stufen herauf. Er trug zwei Eimer auf der Schulter und schien helfen zu wollen. Der Knabe am Fenster konnte nicht verstehen, was sie miteinander redeten, doch er erkannte, daß der Greis den anderen zurückwies. Der Mistträger indes ließ sich nicht vertreiben, womöglich um ebenfalls der Unsterblichkeit der Mondblumen teilhaftig zu werden. Wang te Groove packte zu und wollte den Diener die Stufen hinunterstoßen, doch der war flink und krallte sich in seinem Gewand fest. Zeternd schlug der Aegyr um sich. Beide gerieten an den Rand der Terrasse, die schmal und hoch war. Der Nebel hatte die geschliffenen Steine glitschig werden lassen. Als Wang den Mistträger trat, glitt dieser aus und stürzte hinunter, wo er regungslos liegenblieb. Der greise Aegyr schien selbst erschrocken über sein Tun. Ängstlich blickte er um sich. (...) Wang te Groove war die Stufen hinabgeeilt. Der Mistträger lag reglos da, die Beine ausgebreitet und die Arme wie schützend über den Kopf erhoben. Der Knabe konnte Wangs Gesicht deutlich erkennen. Der Greis schwitzte. Die Furcht davor, entdeckt zu werden, spiegelte sich in seinen Augen. Ohne länger zu zögern, nahm er den Toten bei den Füßen und zerrte ihn an den Hang hinunter bis ans Ufer des reißenden Flusses. Dann holte er die Eimer, legte sie neben den Diener und verschwand zwischen den Bäumen. Der Knabe stand wie versteinert. Unfähig, wirklich zu begreifen, starrte er hinab auf die Terrassen. Er hatte einen Diener sterben sehen - durch die Hand eines Aegyr. Und dieser Aegyr hatte sich wie ein Dieb heimlich davongeschlichen. Wie konnte jemand dem Guten das Wort reden und zugleich solch eine Tat begehen? Irgend etwas zerbrach in diesem Moment in ihm. Er schloß das Fenster und ließ sich auf seine Schlafstatt fallen."
―Vision des Kalaun [Quelle]

Wang te Grooves Schicksal holte ihn jedoch später ein - auch sein eigener Tod war ein Unfall, dessen Hergang vertuscht wurde:

"Nadham saß im oberen Stock seines Hauses und lauschte dem Gurren der Tauben, als plötzlich eine von ihnen aufflatterte und sich nahe dem alten Wang auf dem Geländer niederließ. Nadham rief vergeblich nach ihr, deshalb fürchtete er wohl, sie könnte ihm davonfliegen. Als er sich in seiner Verzweiflung nicht mehr anders zu helfen wußte, hob er eine Handvoll Steine auf und begann, nach dem Tier zu werfen. Aus Versehen traf er den greisen Wang. Der erschrak, glitt aus, und der noch immer halb gefüllte Wassersack auf seiner Schulter zerrte ihn über das Geländer in die Tiefe. Nicht ein Laut war zu vernehmen, als der Alte aufschlug und mit ausgestreckten Beinen liegenblieb. Der Inhalt des Wassersacks entleerte sich über ihn. Das Wasser, das er vom Ufer der Aegyser geholt hatte, schimmerte rot wie Blut. Für eine Weile war nur das Gurren der Tauben zu hören. Ohne einen Laut von sich zu geben, verschwand Nadham von dem Platz an dem er gesessen hatte. Als die Sonne höher stieg und die Nebel sich auflösten, kamen viele, um den Alten zu suchen. Sie fanden den Leichnam und sprachen: „Er hat den Halt verloren und sich zu Tode gestürzt." Und sie übergaben ihn dem Feuer auf den Wogen der Aegyser."
―Vision des Kalaun [Quelle]

Zeuge dieser Geschehnisse zu sein war etwas, was Kalaun prägte und dazu führte dass er sich enttäuscht von der Lichtwelt ab und der Finsternis zuwandte.

Segment: Yhllgord - Person: Wang te Groove - Mythor-Fundort: My149/6-7,10
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